57.000 Einwendungen: Massenprotest gegen Cholera-Kartoffeln

Das Umweltinstitut München hat dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) mehr als 57.000 Einwendungen gegen ein geplantes Experiment mit Pharma-Kartoffeln übergeben. Die Universität Rostock will die genmanipulierten Pflanzen von 2009 bis 2012 in Üplingen (Sachsen-Anhalt) und Thulendorf (Mecklenburg-Vorpommern) anbauen.
Die Gen-Kartoffeln sollen einen Impfstoff und ein Impfstoffhilfsmittel gegen die Kaninchenseuche RHD bzw. gegen die Cholera produzieren. Eine dritte Linie der genmanipulierten Kartoffeln bildet den plastikähnlichen Stoff Cyanophycin. Das Umweltinstitut München forderte das BVL als Genehmigungsbehörde sowie die zuständige Landwirtschaftsministerin Aigner (CSU) auf, den Antrag der Universität Rostock abzulehnen und den Anbau von Pharma-Pflanzen auf Dauer zu verbieten.
Nach Ansicht von Andreas Bauer, Gentechnikexperte beim Umweltinstitut München, hätte die Genehmigung des Experiments unvorhersehbare Konsequenzen für die Umwelt. Eine Kontamination benachbarter Kartoffelfelder und damit das Eindringen von Pharmazeutika produzierenden Pflanzen in die Lebensmittelkette sei nicht ausgeschlossen, zumal die Universität Rostock nur 20 Meter Abstand zu angrenzenden Feldern einhalten will. „Eine Produktion von Arzneimitteln darf es auf dem Acker nicht geben, denn die Kontrolle von Gen-Pflanzen ist im Freiland nicht möglich,“ argumentiert Bauer.
Sollte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner den Anbau der hochriskanten Pharma-Pflanzen genehmigen, wäre nach Ansicht des Umweltinstituts die gentechnikkritische Haltung der CSU als Nebelkerze für den Europawahlkampf entlarvt. Das Aigner unterstehende BVL hat mit der Cholera-Kartoffel keine Probleme. Bereits 2006 hatte die Behörde erste Anbauversuche mit der manipulierten Knolle genehmigt