Monsanto-Monitoring: Papier ohne Inhalt

Der Ende März vom Gentechnikkonzern Monsanto vorgelegte Bericht zum Monitoring des Gen-Maises MON 810 ist unvollständig und unwissenschaftlich. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Umwelt-Organisation Greenpeace. Umweltforscher, deren veröffentlichte Daten Monsanto herangezogen hatte, distanzierten sich von dem Bericht. Landwirtschaftsministerin Aigner will in der Woche nach Ostern über den Anbau von MON 810 entscheiden.

Im Dezember 2007 hatte Monsanto einen Plan für eine allgemeine Überwachung des Anbaus von MON 810-Mais vorgelegt, den das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit mit Billigung des damaligen Agrarministers Horst Seehofer abgenickt hatte. Schon dieser Bericht war von Umweltforschern und dem Bundesamt für Naturschutz massiv kritisiert worden.
Nach Angaben von Greenpeace enthält der nun von Monsanto vorgelegte Bericht nur Aussagen zu einem der vier Elemente des Monitoringplans. Das betrifft die Auswertung existierender Monitoringprogramme für Schmetterlinge, Vögel und andere Tierarten. „Was der Konzern noch nicht eingereicht hat, sind die Auswertung der Befragung der Landwirte, die Informationen aus der wissenschaftlichen Literatur und den Bericht zu den Maßnahmen gemäß Produktinformation.“ Die fehlenden Informationen wolle der Konzern erst im Juli 2009 vorlegen, schreibt Greenpeace. Neben der Unvollständigkeit rügte Greenpeace auch das unwissenschaftliche Vorgehen des Konzerns sowie die fehlende Nachvollziehbarkeit und Transparenz. Zudem würden bestimmte Schutzgüter wie Gewässer gar nicht betrachtet.

Scharfe Kritik kam von den Organisationen, deren Daten Monsanto als Beleg für die Harmlosigkeit seines Gen-Maises anführt. Das Tagfalter-Monitoring Deutschland (TMD) erklärte: „Es gab zu keiner Zeit irgendwelche Absprachen oder Abstimmungen des TMD mit Monsanto und es wurden keine Daten weitergeleitet. Monsanto greift vor allem auf Angaben aus dem TMD-Jahresbericht für das Jahr 2007 zurück sowie auf öffentlich zugängliche Daten der Internet-Plattform science4you. Wir distanzieren uns aus wissenschaftlicher Sicht nachdrücklich von den im Bericht von Monsanto präsentierten Analysen und Interpretationen zum Tagfalter-Monitoring.“ Die vorliegenden Daten des TMD seien nicht geeignet, die Wirkungen des gentechnisch veränderten Mais MON 810 zu bewerten. Der Agrarbiologe Joseph Settele, der das TMD koordiniert, sagte der taz: „Wie Monsanto mit unseren und anderen Daten umgeht, das ist sehr willkürlich. Würde das bei uns ein Diplomand machen, fiele er mit Pauken und Trompeten durch.“
Die Vogelbeobachter vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) stellten klar: „Fakt ist: Das Vogelmonitoring in seiner derzeitigen Form ist für die allgemeine Überwachung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) nicht nutzbar. Darauf hatte der DDA das BVL als Genehmigungsbehörde in einem Fachgespräch am 19. Juni 2008 ausdrücklich hingewiesen. Wir distanzieren uns deshalb nachdrücklich von den im Bericht von Monsanto getroffenen Aussagen und Interpretationen.

Landwirtschaftministerin Ilse Aigner hat versprochen, sie wolle prüfen, ob Monsanto die Monitoringauflagen für seinen Genmais MON 810 einhalte. Falls das nicht der Fall sei „werde ich die Zulassung von MON 810 widerrufen“, sagte die Ministerin in einem Interview.