Neue Broschüre zum Gen-Filz

„Organisierte Unverantwortlichkeit“ heißt eine Broschüre, die der hessische Gentechnik-Kritiker Jörg Bergstedt verfasst hat. Er beschreibt darin, wie stark staatliche Aufsichtsbehörden, Forschungsinstitute, Konzerne und Lobbyverbände miteinander verfilzt sind. „Es gibt keine unabhängigen Stellen und überall herrschen Seilschaften, die keinen Zweifel an ihrer Befürwortung der Gentechnik lassen“, fasst der Autor die Lage zusammen.

Im Mittelpunkt der Broschüre stehen die Kontrollbehörden sowie die vier Zentren der grünen Gentechnik in Gatersleben, Braunschweig, Üplingen und Groß Lüsewitz. Bergstedt stellt engagierte Gentechnik-Befürworter in den Genehmigungs- und Kontrollbehörden vor, zum Beispiel Hans-Jörg Buhk, den Leiter der Gentechnikabteilung im Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Lobbyorganisationen und Beratergremien werden ebenso aufgelistet wie die Firmen und Institute, die sich an den vier wichtigsten deutschen Gentechnik-Standorten niedergelassen haben. Bergstedt beschreibt, wie Genehmigungsverfahren ausgehebelt und Millionen an Forschungsgelder in windige Firmenkonstruktionen umgeleitet werden. „Rund um die vier Zentren der grünen Gentechnik in Gatersleben, Braunschweig, Üplingen und Groß Lüsewitz sind mafiose Geflechte von Kleinstunternehmen entstanden, zwischen denen Aufträge und Gelder hin- und hergeschoben werden“.

Die Fakten, die Jörg Bergstedt in seiner Broschüre zusammengetragen hat, sind nicht neu. In der Studie „Kontrolle oder Kollaboration? Agro-Gentechnik und die Rolle der Behörden“ haben Antje Lorch und Christoph Then vor einem Jahr für die grüne Politikerin Ulrike Höfken die Verquickungen noch wesentlich detaillierter dargestellt. Das Umweltinstitut München hatte ebenfalls im Frühjahr 2008 seine Erkenntnisse über die Gen-Filz-Biotope in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern veröffentlicht. Aus beiden Berichten zitiert Jörg Bergstedt reichlich. Doch im Gegensatz zu ihnen beschreibt er diesen Filz nicht wissenschaftlich-nüchtern. Der Ärger und die Wut des Gentechnik-Aktivisten über die korrupten Strukturen sind in jeder Zeile spürbar. Er nennt die Verbraucher-Initiative mit ihrer Datenbank Transgen „ein beeindruckendes Beispiel über die Käuflichkeit und Anpassungsfähigkeit von Umwelt- und Verbraucherverbänden.“ Staatliche Behörden wie das BVL sind für ihn „Handlanger der Interessen von Konzernen und Forschungszentren.“ Weil die Genehmigungs- und Kontrollbehörden derart mit Gentechnik-Firmen und Forscher verfilzt sind, hat Jörg Bergstedt sie – und auch die den Behörden vorstehenden Politiker – abgeschrieben und argumentiert für zivilen Ungehorsam. „Wer sich auf staatliche Stellen verlässt, ist verlassen. Gentechnikfreiheit gibt es nur dann, wenn die 80 Prozent Ablehnung auch in direkten Protest umschlagen – nicht nur per Protestmail oder am Supermarktregal!“

2 Gedanken zu „Neue Broschüre zum Gen-Filz“

  1. Gott stehe uns und unseren Kindern bei die Machenschaften dieser mafiösen Strukturen aus Politik und Wirtschaft zu überleben.

  2. Wir müssen wirklich alle hart daran arbeiten, dass die Leute nicht schon wieder diese widerlichen „Volksparteien“ wählen und Ihren Volksvertretern ganz mächtig auf den Keks gehen. Allerdings grenzt die Lethargie und Handlungsarmut in Deutschland schon an Debilität, die Leute sind zu dumm, einen Anruf zu machen. Wenn jeder nur ein mal seinen Abgeordneten anruft und sich bei dem beschwert, ist da wochenlang Panik bei denen. Ihr müsst denen ganz deutlich sagen: „Ich wähle Sie nicht, wenn Sie die Gentechnik in der Landwirtschaft durchwinken!“ Zudem muss die Gentechnik aus den Futtermittleln raus! Leute, IHR müsst Druck machen, nicht auf Supermann warten!!!

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