Gentechnik nützt den Entwicklungsländern nicht

Der Anbau transgener Saatgutsorten spielt für die Ernährungssicherung oder für lokale Märkte in Entwicklungs- und Schwellenländern kaum eine Rolle. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht des Büros für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB-Büro). Darin wird auch bemängelt, dass es bisher kaum Daten über die sozioökonomischen Effekte des kommerziellen Anbaus von Genpflanzen gibt.

Der TAB-Bericht mit dem Titel „Transgenes Saatgut in Entwicklungsländern – Erfahrungen, Herausforderungen, Perspektiven“ gibt einen Überblick über die internationale Debatte zu diesem Thema und vertieft es in vier Fallstudien über Brasilien, Chile, China und Costa Rica. Die Untersuchung zeigt, dass die Kontroversen dort nicht vorrangig um Fragen der biologischer Sicherheit geführt werden. Wichtigster Streitpunkt sind die Themen Teilhabe und Sozialverträglichkeit. Im Bericht heißt es dazu: „Angesichts der teils monopolartigen Machtstellung der großen Biotechsaatgutunternehmen im Bereich transgener Sorten, die zum Teil auf wenig entwickelte, dezentrale Saatgutmärkte trifft, ergeben sich drängende Fragen zu den Möglichkeiten einer Steuerung der weiteren Entwicklung.“

Gegen den Hunger helfen die derzeit angebauten Gen-Pflanzen nicht. In Entwicklungs- und Schwellenländern würden fast keine Nahrungsmittel, sondern beinahe ausschließlich die sogenannten Cash Crops angebaut, landwirtschaftliche Produkte, die in großen Mengen meist für den Export hergestellt werden, wie beispielsweise Soja und Baumwolle, schreibt das TAB. Das Spektrum der Pflanzenarten, Sorten und Eigenschaften sei bislang sehr begrenzt. Auch nach über 20 Jahren Forschung und zwölf Jahren Anbau gebe es kaum entwicklungsländerspezifische transgene Sorten.

Der Gentech-Anbau habe auf den Aspekt der Ernährungssicherung nur indirekten Einfluss, sagte TAB-Projektleiter Arnold Sauter bei der Vorstellung des Berichtes im Bundestag. „Wenn Kleinbauern in Indien oder China mit dem Anbau von transgenem Saatgut ihr Einkommen erwirtschaften, dann können sie sich ernähren.“ Doch ob es tatsächlich zu positiven wirtschaftlichen Auswirkungen kommt, ist offen. „Die Datenlage zu den sozioökonomischen Effekten ist nach wie vor schwach und lässt noch nicht einmal auf nationaler Ebene eine abschließende Bewertung der bisherigen betriebs- und volkswirtschaftlichen Effekte (Erträge, Gewinne und Gewinnverteilung, Sektoreinkommen) zu“, heißt es im Bericht.

Für die Zukunft will sich das TAB nicht festlegen: „Die Frage, ob gentechnisch veränderte Pflanzen in mittlerer und fernerer Zukunft nachhaltige, regional angepasste Optionen für unterschiedlich entwickelte Agrarwirtschaften bieten können, lässt sich gegenwärtig nicht fundiert beantworten.

Der gesamte 300-Seiten-Bericht