Gen-Gefahren endlich erforschen

Mehrere Umwelt- und Bioverbände haben einen 9-Punkte-Katalog für eine ökologische Risikoforschung in Sachen grüner Gentechnik vorgelegt. Das Papier erschien im Vorfeld der zweiten Gentechnik-Diskussionrunde, zu der Forschungsministerin Annette Schavan eingeladen hatte. Die Verbände kritisieren darin die bisherige staatliche Förderpolitik.

Sie reiche nicht aus, um das Potenzial negativer Entwicklungen rechtzeitig aufzudecken. „Relevante Fragestellungen aus der Sicht von Verbrauchern sowie des Natur- und Umweltschutzes werden entweder nicht oder nicht hinreichend untersucht.“ Statt dessen fließe ein großer Anteil der
Fördermittel des Bundesforschungsministeriums für Biosicherheitsforschung in „Projekte, die die Technologien der Genübertragung weiter perfektionieren sollen, ebenso wie in das als PR-Maßnahme angelegte Kommunikationsmanagement.“

In ihrem Katalog fordern die Verbände systematische Untersuchungen zu den gesundheitlichen Effekten von GVO und zu den Auswirkungen auf Nicht-Ziel-Organismen, insbesondere auf bestäubende Insekten. Dazu müssten unabhängige Institute mit entsprechenden Mittel ausgestattet werden und Zugang zu Versuchsmaterialien erhalten. Forschungsziele und Mittelvergabe sollten nicht mehr von einem kleinen Kreis aus Ministerialbeamten und Wissenschaftler festgelegt werden, sondern „durch einen demokratisch legitimierten Stakeholder-Kreis transparent und offen gestaltet“ werden.

Da die EU-Umweltminister Ende 2008 beschlossen haben, bei der GVO-Zulassung auch sozioökonomische Aspekte und. Kosten-Nutzen-Überlegungen einzubeziehen, müsse auch dieser Bereich bearbeitet werden, fordern die Verbände: „Neben den einzelbetrieblichen Kosten, die für Saatguterzeuger, Landwirte, Imker, Lebensmittelerzeuger und -verarbeiter anfallen, müssen die volkswirtschaftlichen Kosten erfasst werden: für die Regulierung, den Schutz der Koexistenz, der Biodiversität etc. Darüber hinaus ist ein Vergleich mit Alternativen zu erstellen und zu bewerten – und zwar von Experten, die diese Alternativen kennen und nicht von den Protagonisten der Gentechnik.“