Neuer Skandal: Leinsamen verunreinigt

Zahlreiche konventionelle Brötchen, Müsli und Backmischungen enthalten Leinsamen, der gentechnisch verunreinigt ist. Darauf weisen Messergebnisse des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes (CVUA) Freiburg und von Greenpeace hin. Der baden-württembergische Ernährungsminister Peter Hauk geht davon aus, dass es sich bei den Verunreinigungen um ein europaweites Problem handelt. Greenpeace zieht Parallen zum Genreis-Skandal 2006.

Das CVUA hatte aufgrund einer Verdachtsmeldung 41 Proben Leinsamen, Brot und Müsli untersucht. 14 davon stammten aus ökologischem Anbau und waren sauber. Von den 27 konventionellen Proben enthielten 16 (das sind 59 Prozent) Spuren von gentechnisch veränderten Leinsamen in Mengen zwischen 0,05 und 1 %. Bei der Verunreinigung handelte es sich um einen herbizidtoleranten Leinsamen mit dem Handelsnamen CDC Triffid. Er wurde vor 13 Jahren in den USA und Kanada zugelassen, jedoch nur in Kanada im Jahr 2000 kommerziell angebaut. Wie es zu der Verunreinigung kam und wie lange schon verunreinigter Leinsamen eingesetzt wurden, ist noch unbekannt. Die Lieferungen kamen anscheinend aus Kanada, wo ein Drittel der weltweiten Leinsamenernte eingebracht wird. Die EU importiert sogar über zwei Drittel ihres Leinsamenbedarfs von 600.000 Tonnen im Jahr aus Kanada. Die Saat wird für Brot und Brötchen, Müsli und Leinöl verwendet oder kommt als Leinsamen direkt in den Handel.

Da CDC Triffid in der EU nicht zugelassen ist, sind Produkte, in denen auch nur eine minimale Verunreinigung mit dem Gentech-Leinsamen nachgewiesen wurde, nicht verkehrsfähig und müssen aus dem Regal genommen werden. Greenpeace hatte nach Bekanntwerden der Funde in mehreren Super- und Drogeriemarktketten Produkte gekauft und untersuchen lassen. Verunreinigt waren unter anderem Leinsamen bekannter Markenhersteller wie Seitenbacher und Seeberger, die umgehend Rückrufaktionen starteten. Die Umweltorganisation zog Parallelen zur Verunreinigung von US-Reis im Jahr 2006. Damals verbreitete sich eine Gen-Pflanze, die nirgends kommerziell angebaut wurde, auf mehreren Kontinenten. Der Schaden betrug über eine Milliarde US-Dollar. „Dieser Fund zeigt, dass unsere Lebensmittel nur dann frei von Gentechnik bleiben, wenn der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen weltweit verboten wird“, sagte Greenpece-Gentechnikexpertin Stefanie Hundsdorfer.