Gen-Lein-Skandal: Keiner kauft mehr in Kanada

Die Funde von gentechnisch verunreinigten Leinsamen haben den Leinsamen-Handel zwischen Kanada und der EU zusammenbrechen lassen. Das meldeten kanadische Medien. Die Handelsorganisation Flax Council of Canada nannte die Verunreinigungen eine „äußerst ernste Angelegenheit“. Kanada exportiert nahezu 80 Prozent seiner Lein-Ernte nach Europa. Derzeit sind die Lager voll und die anstehende Ernte soll überdurchschnittlich sein.

Das Flax Council arbeite mit anderen Organisationen daran, entsprechende Nachweistechniken zu entwickeln. Denn die Verunreinigung mit einem Genetchnik-Linie, die seit 2001 nicht mehr kommerziell angebaut wird, habe die kanadischen Farmer kalt erwischt, heißt es in Zeitungsberichten. Inzwischen haben 15 deutsche Bundesländer Funde von Verunreinigungen gemeldet und auch in den Niederlanden ist kanadischer Gen-Lein aufgetaucht. Zudem sind, nach Mitteilung des europäischen Schnellwarnsystems, Backmischungen mit Gen-Lein aus Deutschland auch in die Schweiz, die Niederlande, nach Luxemburg und Italien ausgeliefert worden.

Nach Informationen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) wurde der Gen-Lein CDC Triffid Ende der achtziger Jahre im Crop Development Centre der Universität von Saskatchewan in Kanada entwickelt. Er wurde so manipuliert, dass er die Rückstände im Boden aus Anwendungen einer bestimmten Gruppe von Herbizidwirkstoffen (Sulfonylharnstoffen) im Getreideanbau toleriert. „Der Grundgedanke war, auf diese Weise Landwirten die Möglichkeit zu eröffnen, die in den Prärien Kanadas offenbar üblichen engen Getreidefruchtfolgen durch Flachsanbau auflockern zu können“, schreibt das BVL.

Es handelte sich bei CDC Triffid also um eine Entwicklung, die von keinem der großen Gentechnikkonzerne stammte und auch keine der gängigen Herbizidresistenzen enthielt. Dies könnte der Grund gewesen sein, dass die Verunreinigung so lange unentdeckt blieb, vermutet Professor Joe Cummins vom Londoner Institute of Science in Society. Er weist auch darauf hin, dass Triffid in Canada (und den USA) von 1996 bis 2001 angebaut wurde, bevor auf Druck der kandaschen Lein-Farmer die Sorte aus dem Sortenregister wieder gestrichen wurde. In dieser Zeit seien auf den Farmen in der Prärie rund 200.000 Bushel (das wären 5.400 Tonnen) Gen-Lein gewachsen, schreibt Cummins im Internetdienst GMWatch. Da das Erbgut vor allem von Insekten übertragen werde, sei es wahrscheinlich, dass Triffid einen Großteil der nordamerikanischen Lein-Importe kontaminiert habe. Auch ökologisch angebaute Ware könnte davon betroffen sein.