Sechs Monate Haft für Feldbefreier

Das Landgericht Gießen hat zwei Feldbefreier zu mehrmonatigen Haftstrafen verurteilt, weil sie vor drei Jahren ein Versuchsfeld der Universität Gießen mit Gengerste zerstört hatten. Der bundesweit bekannte Gentechnik-Kritiker Jörg Bergstedt erhielt sechs Monaten Haft ohne Bewährung. Sein Mitstreiter Patrick Neuhaus wurde zu vier Monaten Haft auf Bewährung und 120 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Beide kündigten an, in Revision zu gehen.

Die Angeklagten hatten sich vor Gericht auf einen rechtfertigenden Notstand nach Paragraph 34 des Strafgesetzbuches berufen. Der erlaubt den Widerstand, wenn Leib und Leben des Täters gefährdet sind. Bergstedt argumentierte, dass eine Gefahr für das Leben gegeben sei, wenn Menschen, weil Lebewesen patentiert werden, verhungern müssten. Ein erwiesenermaßen erhöhter Pestizideinsatz beim Anbau von gentechnisch veränderten Kulturen gefährde zudem die Gesundheit vieler Menschen. Bei der Feldbefreiung handele es sich seiner Ansicht nach um das „mildeste effektive Mittel“ gegen diese Gefahren.

Die Gefahren der Gentechnik seien nicht wegzuwischen, räumte Richter Johannes Nink ein. „Die Unbeherrschbarkeit transgener Pflanzen ist eine Tatsache.“ Für die Angeklagten komme der rechtfertigende Notstand nicht in Frage, weil die unkontrollierte Auskreuzung der Gentechnik auch mit einer Feldbefreiung nicht zu verhindern sei. Entscheidend für das höhere Strafmaß gegen Jörg Bergstedt. sei allerdings im Besonderen dessen Motivlage. Der 45-jährige sei ein „politischer Überzeugungstäter“, der jegliche Herrschaft ablehne und das Ziel verfolge, sich als „Berufsrevolutionär“ darzustellen, zitiert die Giessener Allgemeine den Richter.

Urteil bringt Professor auf die Birke

Sigmar Groeneveld, emeritierter Professor für ökologischen Landbau, bestieg aus Protest eine Birke vor dem Gerichtsgebäude. Aus zehn Meter Höhe richtete er eine Ansprache an Richter, Polizisten und Gentechnikgegner und warf dem Gericht Feigheit vor: „Es hat eine große Chance verpasst.“ Erst um Mitternacht kletterte er wieder hinab.
In einem Interview mit der Zeitung Neues Deutschland forderte Bergstedt, der Widerstand gegen die Gentechnik müsse offensiver und an die Felder und Laborstandorte verlagert werden. „Daumen drücken, im Bioladen einkaufen und grün wählen hat gegen die Gentechnik noch nie geholfen – jetzt ist es klarer denn je.“


Prozessbericht der Projektwerkstatt Saaßen

Bericht auf Indymedia
Bericht der Gießener Zeitung

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