Verhandlungspoker um die Grüne Gentechnik

Die Verhandlungen der künftigen Regierungskoalition zur Grünen Gentechnik kommen nicht voran. Während CDU und FDP die Grüne Gentechnik fördern wollen, lehnt die CSU den Anbau von Gentech-Pflanzen weiter ab. Sie will zumindest jedes Bundesland selbst entscheiden lassen. Nicht nur Umwelt- und Bioverbände mischen sich mit Erklärungen intensiv in die Diskussion ein.

Kaum ein namhafter Umwelt- oder Bioverband ist in den letzten Tagen still geblieben. In zahlreichen Erklärungen forderten die Organisationen die schwarz-gelbe Koalition auf, die gentechnikfreie Erzeugung zu schützen und am Anbauverbot für den Genmais MON 810 festzuhalten. Eine Auswahl:
Bioland: Hände weg vom Gentechnikgesetz
Naturland: Wahlfreiheit der Verbraucher gefährdet
AoeL: Bitte keine Rolle rückwärts!
AbL: Vorfahrt für die gentechnikfreie Landwirtschaft!
Greenpeace: Anbauverbot für Gen-Pflanzen ist nicht verhandelbar
BUND: Aufhebung der Nulltoleranz ist das Ende der Gentechnikfreiheit
NABU: Kein Freifahrtschein für Gentechnik

Doch auch die Gegenseite blieb nicht untätig. In einer gemeinsamen Stellungnahme haben sich die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina, die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften dafür ausgesprochen, das Gentechnikgesetz zu schleifen. Sie forderten den Wegfall der Haftungsregelung, die Verheimlichung der Standorte, geringere Sicherheitsabstände, kürzere Anmeldefristen und einen Freibrief für die Auskreuzung nicht zugelassener Gentechnik-Konstrukte aus Experimenten auf Nachbarfelder. Auch die Deutsche Industrievereinigung Biotechnologie (DIB) forderte bei der grünen Gentechnik einen raschen Politikwechsel in Berlin und Brüssel einzuleiten. Derweil machen sich der Deutsche Bauernverband und die Futtermittelindustrie dafür stark, gentechnisch verunreinigten Futtermittelimporte ins Land zu lassen.