Neue Fälle: Zensierte Gentech-Forschung

Die Fachzeitschrift Nature Biotechnology hat über Fälle berichtet, in denen Gentechnik-Konzerne Forschungsergebnisse unterdrückt haben. Bereits im Sommer 2009 hatten sich Insektenforscher in den USA darüber beschwert, dass die Konzerne ihre Arbeiten beeinflussen. Dass Monsanto&Co auch zu massiveren Methoden greifen können, zeigt der Fall eines argentinischen Wissenschaftlers. Er hatte kritische Ergebnisse zum Monsanto-Herbizid RoundUp veröffentlicht.

Die Wissenschaftsjournalistin Emily Waltz hat in ihrem Artikel „Geheim!“ in Nature Biotechnology die bereits im Sommer 2009 begonnene Zensur-Diskussion aufgenommen und um einige Fälle bereichert. Anonym erzählte ein Forscher der Journalistin, dass sein Universitätslabor 2001 im Auftrag von Pioneer Nebenwirkungen einer neuen Gen-Maissorte auf Marienkäfer untersuchen sollte. Fast alle Käfer starben, nachdem sie länger als acht Tage Futter mit dem Mais-Toxin erhalten hatten. Pioneer verbot den Forschern unter Berufung auf den unterschriebenen Auftrag, die Ergebnisse zu veröffentlichen. Zwei Jahre später wurde die Maissorte in den USA zugelassen. In den eingereichten Unterlagen an die US-Umweltbehörde EPA waren die Versuche von Pioneer so modifiziert worden, dass die Marienkäfer am Leben blieben. EPA sei auf die früheren Ergebnisse hingewiesen worden, habe es aber vorgezogen nicht zu handeln, schreibt Waltz.

Sie beschreibt auch, dass es Wissenschaftlern oft nur unter Berufung auf das Akteneinsichtsrecht möglich sei, Studien aus Zulassungsverfahren einzusehen. Auch dieser Zugang sei eingeschränkt, da die Firmen solche Studien oft als Betriebsgeheimnisse deklarieren und damit der Einsicht entziehen würden. Der Insektenforscher Bruce Tabashnik von der University of Arizona erzählte Waltz, dass er an Akten gelangt sei, denen zufolge Dow AgroSciences den Verkauf einer Genmaissorte in Puerto Rico eingestellt habe, nachdem der Zielschädling, der Armybollworm, Resistenzen entwickelt hatte. „Ich ermutigte einen Mitarbeiter des Unternehmens, die Daten zu veröffentlichen und erwähnte, das alternativ auch ich die Daten zitieren könnte. Er sagte mir, sollte ich diese Informationen zitieren, würde das Unternehmen mich verklagen. Solche Statements haben schon eine abschreckende Wirkung“, zitiert Waltz den Forscher.

Wissenschaftler, die öffentlich Ergebnisse verkünden, die den Gentechnik-Konzernen schaden könnten, werden massiv unter Druck gesetzt, mit Rufmordkampagnen oder Prozessen überzogen. Beispiele dafür sind die Erlebnisse von Arpad Pusztai oder Ignacio Chapela. Ähnliche Erfahrungen machte auch der argentinische Professor Andres Carrasco. Er hatte in der Presse von der negativen Wirkung von RoundUp auf Embryonen von Fröschen berichtet. Dabei vertrat er die Ansicht, dass entsprechende Wirkungen auch auf den Menschen möglich seien. Daraufhin erhielt er Drohanrufe und einschüchternde Besuche von Anwälten in seinem Labor. Die Agrarlobby begann mit einer Rufmord-Kampagne. Auch von staatlicher Seite und von Kollegen die für die Agrar-Konzerne forschen, habe er Druck bekommen, berichtete der für das Verteidigungsministerium arbeitende Professor in einem ausführlichen Interview. Doch so leicht lasse sich eine dreißigjährige akademische Karriere nicht zerstören. „Das sind alles Heuchler, diese Truppen der Konzerne. Aber sie haben Angst. Sie wissen, dass sie die Sonne nicht mit ihren Händen verdunkeln können. Es gibt wissenschaftliche Beweise und, darüber hinaus, Hunderte von Menschen, die der lebende Beweis sind für die Gesundheitsgefahren, die mit Glyphosat verbunden sind.“

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