Was kostet die grüne Gentechnik?

Mehrere Verbände haben zusammengestellt, was alles berücksichtigt werden müsste, um eine aussagekräftige und ganzheitliche Kosten-Nutzen-Rechnung für die grüne Gentechnik aufzustellen. Der Fragenkatalog soll der Bundesregierung helfen, ihre Hausaufgaben zu erledigen. Denn künftig sollen bei der Zulassung gentechnisch veränderter Organismen (GVO) auch solche sozioökonomischen Kriterien berücksichtigt werden.

Dies hatte Ende 2008 der Rat der EU-Umweltminister beschlossen. Die Minister ersuchten damals die EU-Mitgliedstaaten auf „bis Januar 2010 relevante Informationen zu den sozioökonomischen Auswirkungen des Inverkehrbringens von GVO einschließlich des sozio-ökonomischen Nutzens und der sozio-ökonomischen Risiken sowie der agronomischen Nachhaltigkeit einzuholen und auszutauschen“. Bis Juni 2010 soll dann die EU-Kommission anhand der von den Mitgliedstaaten abgelieferten Informationen dem Europäischen Parlament und dem Ministerrat berichten.

Passiert ist seither – nicht nur in Deutschland – wenig. Deshalb haben die gentechnikkritischen Verbände sich vom Institut Arbeit und Wirtschaft der Universität Bremen „Vorschläge zur Erfassung von sozioökonomischen Faktoren in Deutschland“ zusammenstellen lassen. Herausgekommen ist ein Katalog, der gezielt abfragt, wie sich zum Beispiel GV-Pflanzen auf das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung auswirken oder welche Folgen der Anbau für die Ernährungswirtschaft oder den Tourismus in einer Region hat. Beim Thema sozialer Nutzen wird abgefragt, ob GV-Pflanzen neue Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen oder Kleinbetriebe Verdrängen und welchen konkreten Nutzen diese Pflanzen überhaupt bringen. Ausführlich geht der Kriterienkatalog auf die vielfältigen Kosten ein, die der gentechnikfreien Landwirtschaft und den Lebensmittelherstellern durch die nötigen Schutzvorkehrungen gegen Verunreinigungen und die Analysen entstehen. Auch die Kosten von Kontaminationsfällen wie dem Genreisskandal müssten in eine solche Rechnung einbezogen werden. Aufgelistet hat solche Kosten im Frühjahr 2009 der Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft in seinem „Schadensbericht Gentechnik“.

„Werden betriebswirtschaftliche Auswirkungen und gesellschaftliche Risiken eingerechnet, so könnte der großflächige Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen den Menschen und der Wirtschaft mehr schaden als nutzen“, sagt Olaf Tschimpke, Präsident des Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Die Folgen des Gentechnik-Einsatzes würden in Deutschland und den meisten EU-Ländern weitgehend ausgeblendet.