EFSA unter Beobachtung

Die neu gegründete Expertengruppe Testbiotech will der EU-Lebensmittelbehörde EFSA genauer auf die Finger schauen. Denn deren Gutachten der liefern die Grundlage für die Zulassung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) in der EU. Umwelt- und Bioverbände kritisieren seit langen die unkritische und gentechnikfreundliche Arbeitsweise des Instituts. Eine Reform der EFSA und des Zulassungsverfahrens steht seit zwei Jahren auf der Tagesordnung der EU-Staaten. Mit einem monatlichen englischsprachigen Newsletter namens EFSA Watch will Testbiotech künftig die Arbeit der EU-Behörde kritisch begleiten.

Die erste Ausgabe nimmt zwei Gutachten der EFSA zu gentechnisch veränderten Maissorten der Firmen Monsanto (MON89034xNK603) und Syngenta (Bt11xGA21) unter die Lupe. Bei beiden Produkten handelt es sich um sogenannte stacked events. Das bedeutet, dass in diesen Maishybriden verschiedene gentechnische Konstrukte kombiniert sind. So produzieren sie einerseits ein oder mehrere Insektengifte (BtToxin) und enthalten andererseits Toleranzen gegenüber Herbizide. Die EFSA empfiehlt, die beiden Maissorten zur Verwendung in Lebens- und Futtermitteln freizugeben.

Testbiotech kritisiert, dass das zuständige EFSA-Gremium, das GMO-Panel, sich vor allem auf die bereits vorhandenen Risikoabschätzungen der gentechnisch veränderten Pflanzen stützt, die als Ausgangsprodukte für die Hybriden dienen. Diese Argumentation sei wissenschaftlich fragwürdig, da sie unerwartete Wechselwirkungen zwischen den künstlichen Genen und ihren Produkten größtenteils außer Acht lasse. Spezielle Fütterungsversuche mit MON89034 x NK603 oder Bt11xGA21 seien nicht unternommen worden. Zudem gebe es bereits an der Risikobewertung der einzelnen Pflanzen, erhebliche Zweifel. So habe der herbizidtolerante Mais NK603 im Fütterungsversuch bei Ratten verschiedene statistisch signifikante Auffälligkeiten gezeigt.

Testbiotech e. V. wurde 2008 von einer Gruppe kritischer Experten gegründet, um unabhängige Forschung und die gesellschaftliche Debatte über die Auswirkungen der Biotechnologie zu fördern. Der Verein versteht sich als eine Art Kompetenzzentrum und Institut für unabhängige Risiko- und Begleitforschung. Mitglieder sind unter anderen Christoph Then, langjähriger Gentechnik-Campaigner von Greenpeace, Christof Potthof vom Gen-ethischen Netzwerk und die Biologin Antje Lorch, die seit Jahren Umweltorganisationen zur Agro-Gentechnik berät.