Nazis im Genmaisfeld

Immer häufiger versuchen Rechtsextremisten, in gentechnikfreien Regionen oder Anti-Gentechnik-Initiativen mitzuarbeiten. Der Informationsdienst Gentechnik hat dazu ein Dossier „Gentechnik und Rechtsextremismus“ zusammengestellt. Es bietet einen Sachstandsbericht ebenso wie konkrete Fallbeschreibungen und Adressen von Beratungsangeboten gegen Rechtsextremismus.

Die „Ausweisung des gesamten Freistaates Bayern als gentechnikfreie Zone“ forderte die bayerische NPD in ihrem Wahlprogramm. In Mecklenburg-Vorpommern protestierte die NPD-Fraktion gegen die Versklavung der Bauern durch Monsanto. Im rechtsextremen Hochglanz-Magazin Umwelt&Aktiv nimmt der Kampf gegen die grüne Gentechnik ebenfalls einen prominenten Platz ein.

Diese Hinwendung zum Thema Gentechnik spiegele nicht nur die NPD-Taktik wider, sich auf Problemlagen mit großen emotionalem, plakativen und polemischen Potential zu fokussieren, schreiben Susanne Theilmann und Sebastian Striegel in ihrem Sachstandsbericht „Nazis im Maisfeld“. Die NPD belebe hier auch eine „ureigene ideologische Tradition unter neuen Vorzeichen.“ Heimatschutz, Wald- und Naturschutz, gesunde Ernährung, Tierschutz und biologischer Landbau seien schon Themen und Ziele der Umweltpolitik der NSDAP gewesen.

Für ihre Gentechnik-Aktivitäten würden sich die Rechtsextremisten überwiegend aus frei zugänglichem Material anderer Gruppen oder wissenschaftlicher Institute bedienen, stellt der Bericht fest. Die werden dann mit Blut-und-Boden-Ideologie angereichert. Gleichzeitig engagieren sich die Nazis in Interessengruppen und Initiativen zu lokalen Problemen, „unter anfänglicher Vermeidung ideologischer Ausfälle.“ Der Bio-Bauer Helmut Ernst koordinierte zwei Jahre lang die Initiative für eine gentechnikfreie Region Nebel/Krakow. Erst dann wurde bekannt, dass er NPD-Mitglied war und er zog sich aufgrund von Protesten aus dieser Funktion zurück.

Besonders unorganisierte Rechte seien oft unauffällig, Stammkunde im Bioladen und pflegten einen nachhaltigen Lebensstil, heißt es in dem Sachstandsbericht. „Ganz offensichtlich abstruse Verlautbarungen werden bestenfalls belächelt oder ignoriert. Erleichtert wird dies durch das breite Spektrum innerhalb der ‚Öko-Szene’, in der ebenfalls utopisch-esoterische Strömungen, allerdings ohne menschenverachtende Motive, vertreten sind.“

Die beiden Autoren empfehlen mehr Sensibilität gegenüber solchen Unterwanderungsversuchen und ermuntern dazu, sich im Bedarfsfall beraten zu lassen und die Auseinandersetzung innerhalb lokaler Gruppierungen anzunehmen: „Wo gentechnikfrei drauf steht, sollten auch in Zukunft keine Nazis drin sein.“