Genmais: Zulassung gestoppt

Die Firma Renessen – ein Joint venture der US-Konzerne Monsanto und Cargill – hat einen Antrag auf EU-Zulassung des gentechnisch veränderten Mais LY038 zurückgezogen. Der Grund seien Sicherheitsbedenken der EU-Lebensmittelbehörde EFSA gewesen, teilte die Organisation Testbiotech e. V. mit. Renessen dagegen begründete den Rückzug des Antrags mit ökonomischen Gründen. Der Mais war bereits in anderen Ländern wie den USA, Kanada, Australien und Neuseeland zugelassen, wurde aber noch nicht angebaut.

LY038 ist so manipuliert, dass er hohe Konzentrationen der Aminosäure Lysin produziert, was seine Verwertung als Futtermittel besonders wirtschaftlich machen soll. Damit ist LY038 eine der wenigen gentechnisch veränderten Pflanzen der sogenannten zweiten Generation, die neben einer bestimmten Resistenz weitere Vorteile bieten sollen. Doch während die Behörden in den USA und anderswo den Mais durchwinkten, meldete die nicht gerade gentechnikkritische EFSA Bedenken an und forderte zusätzlich Unterlagen, weil der Mais verschiedene unbeabsichtigte Veränderungen in seiner stofflichen Zusammensetzung zeigte. In einem Schreiben habe die EFSA sogar die Wiederholung einer Fütterungsstudie an Ratten verlangt, schreibt Textbiotech: „So weit bekannt, hat die EFSA dies bisher in keinem anderen Fall für nötig befunden. Eine bereits durchgeführte 90-Tage-Fütterungstudie an Ratten hatte signifikante Veränderungen im Blutbild und Urin gezeigt, wies aber erhebliche methodische Mängel auf. Auch verschiedene EU-Mitgliedsländer hatten in ihren Stellungnahmen auf Gesundheitsrisiken aufmerksam gemacht. So äußerte bereits 2005 eine Expertenkommission in Neuseeland Bedenken für den Fall, dass der gentechnisch veränderte Mais auch in Lebensmitteln verarbeitet werden sollte.“ Durch den Rückzug der beteiligten Konzerne sei der EFSA unmöglich gemacht worden, den Mais LY038 näher zu untersuchen, kritiiserte Testbiotech. „Alle Unterlagen wurden zurückgerufen. Möglicherweise sollen so weitere Debatten um die Sicherheit des Produktes verhindert werden.“

Renessen hatte die Rücknahme des Antrags ebenso wenig gemeldet wie die EU-Kommission. Als der Vorgang Anfang November zuerst in Neuseeland bekannt wurde, gab Renessen lediglich „wirtschaftliche Gründe“ an ohne diese näher zu erörtern. Die walisische Organisation GM Free Cymru forderte in einem offenen Brief von der EFSA und der EU-Kommission Aufklärung darüber, warum sie den Vorgang verschwiegen hatten.