Gift aus Genmais in Gewässern

Das Insektengift Bt-Toxin aus gentechnisch verändertem Mais gelangt nach der Ernte durch Maisstreu in Bäche, Flüsse und Seen. Welche Wirkung es dort hat, ist wenig erforscht. Eine Tagung des Naturschutzbundes Deutschland befasste sich mit diesem Thema.

Die wichtigsten Referentinnen der Tagung waren Jennifer Tank und Emma Rosi-Marshall. Die beiden US-Wissenschaftlerinnen hatten 2007 eine erste Arbeit zur Belastung von Gewässern am Rande von Maisäckern veröffentlicht. Sie stellten durch Fütterungsversuchemit zwei Köcherfliegenarten fest, dass Köcherfliegenlarven langsamer wuchsen, wenn sie BT-Maisteile aufnahmen. Auf der NABU-Tagung trugen die beiden Ökologinnen erste, noch unveröffentlichte Ergebnisse aus ihrer aktuellen Untersuchung vor. Dabei haben sie eine dritte Köcherfliegenart einbezogen und die Versuchsmethodik erweitert. Ihre früheren Laborbefunde wurden erneut bestätigt: Bei einer Köcherfliegenart erhöhte die Fütterung mit Bt-Mais die Sterblichkeit, bei einer anderen zeigten sich reduzierte Wachstumsraten.

Allerdings zeigten sich bei vergleichenden Untersuchungen an Entwässerungsgräben von Genmais-Feldern und solchen mit herkömmlichen Mais keine signifikanten Unterschiede in den Beständen von Köcherfliegen bet. Die beiden Wissenschaftlerinnen führten dies darauf zurück, dass die von ihnen untersuchten Gewässer als Folge der intensiven Landwirtschaft stark belastet waren und dies mögliche Genmais-Effekte überlagert hatte. Auch eine 2009 veröffentlichte Studie von Wissenschaftlern der Universität Maryland hatte kaum Effekte feststellen können.

Auch in Deutschland soll nun untersucht werden, wie viel Bt-Pollen im Sommer und Bt-Maisstreu bei der Ernte im Herbst in die Gewässer gelangen kann. Dieses Forschungsprojekt stellten das Bundesamt für Naturschutz und das Land Brandenburg auf der NABU-Tagung erstmals öffentlich vor. Fazit der Tagung: Welche Rolle der Toxineintrag für das Ökosystem Gewässer spielen kann, wird weiter diskutiert. Mangels Forschung ist die Datengrundlage dafür jedoch noch dünn. „Dieses Verhalten ist unverantwortlich und skandalös“, kritisierte NABU-Gentechnikexpertin Steffi Ober. „Statt Produktforschung für die Industrie zu betreiben, um den Gentransfer zu optimieren, sollte die Biosicherheitsforschung endlich Praxisforschung betreiben, um die Natur und die Verbraucher zu schützen.“