Lobbyarbeit: Von EFSA zu Syngenta

Die frühere Leiterin der Abteilung Gentechnik der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA, Suzy Renckens, ist ohne Auflagen der Behörde direkt zum Gentechnikkonzern Syngenta gewechselt. Dies geht aus Unterlagen hervor, die die Expertengruppe Testbiotech auf Nachfrage von der EFSA erhalten hat. Der Wechsel stellt einen Verstoß gegen einschlägige EU-Bestimmungen dar. Testbiotech und andere Nichtregierungsorganisationen forderten in einem Brief an die EU-Kommission eine gründliche Untersuchung der Umstände und eine schnelle Reaktion.

Der Wechsel der Abteilungsleiterin zum Gentechnikkonzern Syngenta fand bereits im Mai 2008 statt. Einen Monat nach ihrem Ausstieg bei der EFSA wurde Suzy Renckens zur Leiterin der International Regulatory Affairs beim Konzern Syngenta ernannt. Nach ihren eigenen Worten betreibt sie in dieser Position Lobbying für die Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen, also genau für den Bereich, für den sie früher auch bei der EFSA zuständig war.

Die Tätigkeiten leitender Mitarbeiter von EU-Behörden unterliegen nach deren Ausscheiden für einen Zeitraum von zwei Jahren einer Genehmigungspflicht. Im Fall Renckens hatte die Behörde keinerlei Einwände erhoben oder Auflagen erteilt. Erst im Dezember 2009, nachdem Testbiotech erstmals über den Fall berichtet hatte und Journalisten bei der Behörde nachfragten, nahm die Leitung der EFSA Kontakt zu Frau Renckens auf und wies sie darauf hin, dass ihre Tätigkeit bis zu zwei Jahren nach ihrem Ausscheiden einer Genehmigungspflicht unterliege. Diese teilte mit, sie habe die Behörde schon im Mai 2008 über ihren neuen Arbeitgeber informiert.

„Die Leitung der Behörde hat gegen ihre Sorgfaltspflicht verstoßen. Der direkte Wechsel von Frau Renckens zur Industrie hätte nicht genehmigt werden dürfen. Der Leitung der EFSA scheint ein ausreichendes Problembewusstsein zu fehlen. Der Vorgang wird von der Behörde als normaler Vorgang dargestellt“, kommentierte Christoph Then, Geschäftsführer von Testbiotech. Er forderte die EU-Kommission auf, „auf diesen krassen Fall von Drehtüren-Lobbyismus“ zu reagieren. „Hier gibt es einen klaren Konflikt mit den offiziellen Aufgaben der EFSA.“