„Ohne Gentechnik“ wird immer beliebter

Die Milchwerke Berchtesgadener Land kennzeichnen ihre Milch inzwischen mit dem „Ohne Gentechnik“-Logo. Auch die neu auf den Markt gebrachte Faire Milch des Bundesverbandes der Milchviehalter trägt das Zeichen. Die Allgäuland Käsereien haben die Frischmilch ihrer Marke Bergbauern auf gentechnikfrei umgestellt. Die Futter- und Lebensmittelindustrie wird nervös und fordert nun eine Positivkennzeichnung.

Bauernverband, Futtermittel- und Milchindustrie haben die „Ohne-Gentechnik“-Kennzeichnung schon immer angegriffen und als unehrlich bezeichnet. Denn das Logo wendet sich ausschließlich gegen genmanipulierte Futterpflanzen und lässt Zusatzstoffe und Enzyme im Tierfutter zu, die von gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt wurden.
Nun hat der Bundesverband der Ernährungsindustrie (BVE) den Spieß umgedreht und sich für eine Positivkennzeichnung ausgesprochen. Jedes Lebensmittel, das mit grüner Gentechnik in Berührung gekommen ist, soll ein Logo „Enthält Gentechnik“ tragen müssen. Der Hintergedanke: Da viele Zusatz-, Aroma- und Hilfsstoffe mit Hilfe gentechnisch veränderter Mikroorganismen hergestellt werden, würden viele verarbeitete konventionelle Lebensmittel das Zeichen tragen müssen. Die Lebensmittelindustrie hätte dann den optischen Beleg für ihr Standard-Argument, dass Gentechnik eh überall drin sei.
Doch entscheidend für die Zukunft der grünen Gentechnik sind nicht kleine Mengen an Zusatzstoffen, sondern die Millionen Tonnen in Übersee angebauter genmanipulierter Futterpflanzen. Deren Absatz sinkt mit jedem Produkt, das ein „Ohne Gentechnik“Logo trägt – und auch darüber hinaus.
So hat der Discounter Lidl die Erzeuger seiner in Bayern auf den Markt gebrachten regionalen Milchprodukte dazu verpflichtet, keine Genpflanzen zu verfüttern – lobt das aber nicht aus. Auch Wiesenhof, der Marktführer bei Hähnchenfleisch füttert seine Tiere ohne Gensoja, verzichtet aber auf das Siegel.
Womöglich ändert sich diese vorsichtige Haltung. Eine Umfrage des Markforschungsinstituts Ipsos ergab, dass Produkte mit der Bezeichnung „ohne Gentechnik“ beim Verbraucher angesagt sind. 42 Prozent der Befragten würden sie „immer oder häufig“ kaufen.

Zur aktuellen Fassung des Greenpeace-Einkaufsratgebers „Essen ohne Gentechnik“