Gentech-Anbau in Europa geht zurück

In Europa wurde 2009 zehn Prozent weniger Gentech-Mais angebaut als im Jahr zuvor. Weltweit sind die Anbauflächen noch einmal angestiegen. Allerdings stammen die Zahlen von der Gentechnik-Lobbyorganisation ISAAA. Umweltorganisationen bewerten sie als „aufgebauscht“.

Jedes Jahr veröffentlicht die von den Gentechnik-Konzernen mitfinanzierte ISAAA (International Service for the Acquisition of Agribiotech Applications) einen Bericht zum Stand des Genpflanzenanbaus. Für 2009 meldete die Agentur eine weltweite Gesamtfläche von 134 Millionen Hektar, was einem Wachstum von sieben Prozent entspricht. Ein Großteil des Wachstums entfiel auf Brasilien, das deutlich mehr Gensoja und Genmais anbaute. In Europa ging die Anbaufläche von Bt-Mais laut ISAAA von 104.000 Hektar auf 95.000 Hektar zurück.

Der ISAAA-Bericht zeigt, dass 92 Prozent aller genmanipulierten Pflanzen in nur fünf Staaten wachsen: USA, Brasilien, Argentinien, Indien und Kanada. Der Anbau konzentriert sich auf vier Pflanzen: Soja (75 Prozent der weltweiten Anbaufläche), Mais (49 Prozent), Baumwolle (25 Prozent) und Raps (20 Prozent). In den USA und Kanada ist auch der größte Teil der Zuckerrüben inzwischen genmanipuliert.

„Trotz massivster Bemühungen der Gentechnik-Industrie sind weltweit über 90 Prozent der Ackerflächen gentechnikfrei, 99 Prozent aller Bauern arbeiten ohne Gentechnik“, kommentierte Landwirtschaftsexperte Martin Hofstetter von Greenpeace die Zahlen. „Die ISAAA bauscht die Anbaustatistik von Gentech-Pflanzen in Entwicklungsländern auf und unterschlägt die Verbote in Indien und Südafrika“, kritisiert Jens Karg, Sprecher der österreichischen Umweltorganisation Global 2000. „. Hier kann man nur von tarnen und täuschen sprechen, nicht von seriöser Wissenschaft.“ Im Gegensatz zu den Behauptungen der Industrie-Lobby scheitere der Anbau von Gen-Pflanzen in immer mehr Ländern. Dennoch ist er für Monsanto&Co ein gutes Geschäft. Die ISAAA schätzt den Wert des Biotech-Saatgutmarktes auf 10,5 Milliarden US-Dollar.