Gen-Baumwolle lässt Wanzen wachsen

Der Anbau von gentechnisch manipulierter Bt-Baumwolle in China hat dazu geführt, dass sich ein bisher unbedeutender Schädling stark vermehrt hat. Die Weichwanze kann die Baumwollernte ebenso stark schädigen wie der Baumwollkapselwurm, gegen den das Bt-Gift der Baumwolle helfen sollte. Dies haben Wissenschaftler der staatlichen chinesischen Akademie für Agrarwissenschaften im Fachmagazin Science berichtet.

Seit 1997 wird in China Bt-Baumwolle angebaut, inzwischen auf über vier Millionen Hektar. Von Anfang begleiten die Insektenforscher der Akademie den Anbau im Rahmen eines Monitorings. Sie kontrollierten die Schädlingspopulationen an 38 Standorten in Nordchina, die rund drei Millionen Hektar Baumwollpflanzungen und 26 Millionen Hektar an anderen Nutzpflanzen abdecken. Seit 1997 seien die Populationen dieses früher unbedeutenden Schädlings auf das Zwölffache angewachsen, sagte Kongming Wu, der Leiter des Forscherteams, der Zeitschrift Nature. „Die Weichwanzen sind heute ein Hauptschädling in der Region“. Ihr Anwachsen sei eng verbunden mit der Ausdehnung der Bt-Baumwoll-Anbaus.

Die pflanzensaftsaugenden Wanzen werden vom Bt-Gift der Pflanzen nicht geschädigt. Weil die Bauern in den Bt-Feldern weniger Pestizide spritzten, konnten sich die Insekten dort vermehren, argumentiert Wu. Von den Baumwollfeldern aus bedrohen die Schädlinge auch andere Kulturen wie grüne Bohnen, Getreide oder Gemüse. Wu geht davon aus, dass die Baumwoll-Bauern bald wieder ebensoviel Pestizide einsetzen müssen wie vor dem Anbau der Bt-Baumwolle.

Schon 2006 hatten US-amerikanische und chinesische Wissenschaftler festgestellt, dass sich der Bt-Baumwollanbau für die chinesischen Bauern immer weniger rentierte, weil sie neben dem teuren Saatgut verstärkt Pestizide kaufen mussten. Auch in Indien hat der Bt-Baumwollanbau bereits andere Schädlinge groß werden lassen. In den Maisanbaugebieten der USA macht sich ein neuer Schädling breit, weil der genmanipulierte Bt-Mais seine natürlichen Feinde dezimiert.