Künstliche Lebewesen – ein neues Risiko

Letzte Woche teilte der umstrittenen Gentechnik-Pionier Craig Venter im Fachmagazin Science mit, er habe Erbgut selbst hergestellt und in eine Zelle eingepflanzt. Dabei sei erstmals ein lebensfähiges Bakterium entstanden. „Die Auswirkungen einer Verbreitung synthetischer Gene oder Organismen in der Umwelt können nicht abgeschätzt werden“, kommentiert Christoph Then diese Entwicklung. Er war lange Gentechnik-Experte von Greenpeace und ist jetzt Geschäftsführer des Vereins Testbiotech, der die Folgen der Biotechnologie betrachtet.

Es sei möglich, dass künstliche Gene in der Umwelt überdauern und sich rasch ausbreiten, weil sie sich der Kontrolle durch die natürliche Genregulation und evolutionäre Anpassungsmechanismen entziehen könnten, mahnt Then. „Künstliche Gene, die im Labor für bestimmte Zwecke konstruiert wurden, können in Wechselwirkung mit der Umwelt oder mit anderen Genen völlig neue, unvorhergesehene Eigenschaften aufweisen.“ Ein Eintrag von synthetisch hergestellten Organismen und Genen in die Umwelt müsse deswegen verhindert werden. Dazu brauche es „klare gesetzliche Verbote“. Derzeit vollziehe sich die Entwicklung ohne spezifische gesetzlichen Regelungen.

Auch müssten Firmen und Forschungseinrichtungen, die Gene oder Organismen synthetisieren oder diese verwenden, erfasst und kontrolliert werden, fordert Then. Die sei notwendig, um unter anderem der Synthese gefährlicher Krankheitserreger und Biowaffen vorzubeugen. „Um der Gesellschaft mehr Möglichkeiten zu geben, um über mögliche Folgen und Auswirkungen zu diskutieren und um ausreichende gesetzliche Regelungen zu finden, sollte zudem ein Moratorium auf staatliche Fördermaßnahmen im Bereich der Synthetischen Biologie in Kraft gesetzt werden“, schlägt Then vor. Er kündigte einen Bericht zum Thema Synthetische Biologie an, der eine Übersicht über aktuelle Entwicklungen und nötige gesetzliche Regelungen geben soll.

Ein ausführlicher Bericht über Venters Experiment im Spiegel.