Verunreinigter Mais ausgesät

In sechs Bundesländern ist auf 2.000 bis 3.000 Hektar verunreinigter Biogas-Mais ausgesät worden. Die Verunreinigung war bereits frühzeitig bekannt. Weil sie nicht rechtzeitig handelten, stehen niedersächsische Behörden in der Kritik. Der Anbauverband Bioland forderte, den Mais auf den betroffenen Feldern unterzupflügen.

In Maissaatgut der Firma Pioneer HiBreed hatten niedersächsische Behörden Verunreinigungen bis zu 0,1 Prozent mit dem für den Anbau nicht zugelassenen Genmais NK603 von Monsanto festgestellt. Während andere Bundesländer vergleichbare Funde bereits im April gemeldet hatten, versäumten die niedersächsischen Behörden dies. Das Saatgut gelangte in den Handel und auf die Äcker. Betroffen sind Bauern in sechs Bundesländern, insbesondere in Bayern und Baden-Württemberg.

Bereits Mitte Februar hatte, einer Ablaufchronik von Greenpeace zufolge, das niedersächsische Landwirtschaftsministerium 35 Saatgutproben gezogen und deren Analyse beim niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) in Auftrag gegeben. Doch erst am 12. April lag dem Landwirtschaftsministerium der Laborbericht vor. Die Behörde brauchte weitere zwei Wochen, um das für den Vollzug zuständige Umweltministerium in Hannover über den Fund der verunreinigten Maissaaten zu informieren. Pioneer weigerte sich, die Handelswege für das von den Behörden positiv getestete Saatgut zu nennen und musste – in der ersten Juniwoche – vom Verwaltungsgerichtes Stade dazu gezwungen werden. Pioneer behauptet, bei Nachkontrollen sei keine Verunreinigung festgestellt worden. Außerdem sei das Saatgut in Ungarn angebaut worden, wo kein Genmais wachse. Bereits am 21. Mai hatten Bioland und Greenpeace erstmals auf verunreinigten Mais aus Niedersachsen hingewiesen.

Die Rückverfolgung des Saatguts von Pioneer über den Agrarhandel zu den Bauern ergab, dass rund 100 Bauern in sechs Bundesländern betroffen sind. Einige Länder wie Bayern haben bereits angeordnet, dass der Mais untergepflügt werden muss. Andere Bundesländer könnten – wie Baden-Württemberg im letzten Jahr – erlauben, dass der Mais aufwächst und dann vor der Blüte in Biogasanlagen entsorgt wird. Thomas Dosch, Präsident des Anbauverbands Bioland, forderte: „Der Aufwuchs von nicht genehmigtem Genmais ist vor der Blüte durch Unterpflügen zu unterbinden und die betroffenen Landwirte zu entschädigen.“ Mit weiterem Zögern wachse das Risiko der Ausbreitung – mit nicht absehbaren Folgen für Umwelt, Konsumenten und Landwirte. Außerdem müssten alle betroffenen Felder öffentlich gemacht werden. Offen ist, wer die betroffenen Bauern entschädigt. Pioneer lehnt dies bisher ab. Der Bundesverband der Pflanzenzüchter nutzte die Vorgänge, um statt der derzeitigen Nulltoleranz wieder einmal Schwellenwerte für die Verunreinigung von Saatgut zu fordern.

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