Unterschriften gegen künstliche Lebewesen

Mit einer internationalen Unterschriftenaktion will der Verein Testbiotech auf die Risiken der Synthetischen Biologie aufmerksam machen. Angesichts der Möglichkeit, künstliche Lebensformen zu schaffen, fordert die Organisation striktere Gesetze zum Schutz von Mensch und Umwelt. Freisetzungen von synthetischen Lebewesen sollen verboten, Firmen und Forschungseinrichtungen durch ein Überwachungssystem erfasst werden. Bis entsprechende gesetzliche Regelungen beschlossen sind, soll die staatliche Förderung dieser Technologie ausgesetzt werden.

Zum Start der Unterschriftensammlung hat Testbiotech einen Report über den Stand der Synthetischen Biologie zusammengestellt. Er beschreibt die angewandten Techniken, die möglichen Anwendungen sowie den Stand der Forschungen in der EU und in Deutschland. So halte die EU die Synthetische Biologie „für eine Technologie von hoher strategischer und ökonomischer Bedeutung“ und stelle „erhebliche Fördermittel“ zur Verfügung. Deutschland gehöre zu den führenden Ländern in der Synthetischen Biologie. Hier sitze „ ein großer Teil der Firmen, die die Gensynthese auf Bestellung betreiben.“ In Marburg solle das derzeit größte Zentrum für Synthetische Biologie in Europa entstehen. Testbiotech schätzt, dass rund 25 deutsche Forschungseinrichtungen in unterschiedlicher Form mit Synthetischer Biologie zu tun haben und stellt einige von ihnen vor.

Ausführlich geht der Report auf die bisher kaum geführte Risikodebatte ein und verweist dabei auf die Fachzeitschrift Nature, die in ihrem Editorial bereits 2004 warnte: „Hier werden nicht mehr nur Gene ausgetauscht. Jetzt wird Leben wie Ton geformt. (…) Die Reichweite derartiger Instrumente ist viel größer als die der gentechnischen Veränderung und es ist sicherlich viel schwerer die tatsächlichen Risiken vorher zu sehen.“

Testbiotech hofft mit seiner Initiative eine breite gesellschaftliche Debatte anzustoßen. Die Unterschriften sollen dem Europäischen Parlament, demn Bundestag und Gremien der UNO übergeben werden, die für 2010 das Internationale Jahr der Biologischen Vielfalt ausgerufen hat. Der Aufruf wird von mehreren Organisationen unterstützt, darunter sind auch die Naturkostzeitschrift Schrot&Korn sowie die beiden Umweltverbände BUND und NABU.