Sechs neue Genmais-Sorten vor der Zulassung

Die EU-Kommission wird in Kürze sechs neue Sorten genmanipulierten Mais zulassen. Vorausgegangen war ein Patt bei der Abstimmung im Agrarministerrat. Deutschland hatte dort für die Zulassung gestimmt. Die Maissorten dürfen demnächst eingeführt und als Futter- und Lebensmittel verarbeitet, aber nicht in der EU angebaut werden.

Bei den Maissorten handelt es sich um fünf neue Kreuzungen bestehender Sorten sowie um den Mais Bt11, dessen bestehende Genehmigung erneuert werden soll. Die EU-Lebensmittelbehörde EFSA hatte alle Sorten für harmlos erklärt und die Kommission deren Zulassung vorgeschlagen. Nachdem sich die Agrarminister nicht einigen konnten, darf die Kommission alleine entscheiden und wird, wie immer in solchen Fällen, die Zulassung in den nächsten Wochen erteilen.

Ulrike Höfken, die Sprecherin der Grünen für Agro-Gentechnik, kritisiert das Abstimmungsverhalten von Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner, die zu allem „Ja und Amen“ sage. Das EU-Zulassungssystem sei zu Recht umstritten. Es sei intransparent, undemokratisch und nicht wissenschafts-, sondern wirtschaftsorientiert. Die Bundestagsfraktion der Grünen hatte eine Tagung zum Thema Risikoforschung organisiert. Dort beklagten die teilnehmenden Wissenschaftler, dass das Vorsorgeprinzip vernachlässigt werde. So kritisierte Professor Gilles Eric Séralini von der französischen Universität Caen, dass die Zulassungen erfolgen, ohne dass Säugetiere mehr als 90 Tage mit den Gen-Pflanzen gefüttert würden. Er forderte, dass Gentech-Pflanzen zwei Jahre an Ratten verfüttert werden müssten. „Das entspricht der Lebensdauer dieser Tiere.“ Diese Zeit sei nötig, um zu erkennen, ob etwa Mais, der ein Gift gegen einen Schädling produziert, auch andere Lebewesen töte, erklärte Séralini der taz. Für problematisch hält er, dass die Pflanzenhersteller selbst die Untersuchungen in Auftrag gäben. „Die Behörden werten die Tests nur noch aus“, sagte der Franzose. Er schlug vor, dass die Ämter auf Kosten der Firmen unabhängige Wissenschaftler mit den Tests betrauen.