Gentech-Algen als Bio-Treibstoff

Um neue Kraftstoffe, sogenannte SynthiFuels, zu produzieren, wollen Wissenschaftler künstliche Organismen entwickeln und im großen Stil einsetzen. Auf diesen technischen Trend macht das Expertenteam von Testbiotech in seinem zweiten Bericht über Synthetische Biologie aufmerksam.

Als ein Beispiel dient Testbiotech dabei die in Deutschland ansässige Firma Cynao Biofuels. Sie arbeitet mit staatlichen Fördermitteln an der Veränderung des Stoffwechsels von Blaualgen (Cyanobakterien). Sie sollen so manipuliert werden, dass sie mehr Ethanol produzieren. Cyano Biolfuels gehört zur US-Firma Algenol, die an der Pazifikküste Mexikos große Anlagen errichten will, um mit Hilfe der Algen Biokraftstoffe herzustellen. Würden die Produktionsanlagen durch einen Hurrikan beschädigt, könnten die genmanipulierten Algen kilometerweit aufs Meer verteilt werden. Dies könne schwerwiegende Folgen für die Ökosysteme haben, warnt Christoph Then, Geschäftsführer von Testbiotech. „Der Fall zeigt, dass spezifische gesetzliche Regeln dringlich sind, um Freisetzungen von Organismen mit künstlichen Genen wirksam vorzubeugen.“

Der Bericht listet zahlreiche Firmen, meist in den USA, auf, die derzeit neue Enzyme oder Mikroorganismen entwickeln, um aus Holz, Zellulose oder Algen Biokraftstoffe zu gewinnen. Begründet würden solche Forschungen vor allem mit dem Klimaschutz, schreibt Testbiotech. Echte Problemlösungen seien von den SynthiFuels jedoch kaum zu erwarten. „Es droht dagegen eine Verschärfung bereits bestehender Umweltprobleme: Bei steigender Nachfrage nach den Rohstoffen für die neue Biokraftstoff-Generation würden erhebliche Flächen für Getreide und Ölsaaten beansprucht sowie Wälder und Grasland ausgebeutet. Hier stehen die SynthiFuels in Konkurrenz zu anderen landwirtschaftlichen Nutzungsformen und Nahrungsmitteln.“ Hinzu kämen spezifische Risiken der künstlichen Organismen: „Da bei der Erzeugung von Biofuels immer große Mengen von entsprechenden Organismen eingesetzt und die anfallende Biomasse über offene Stoffkreisläufe (wie Tierfutter und Düngemittel) entsorgt werden soll, erscheint eine unkontrollierte Verbreitung von synthetischen Organismen in der Umwelt fast unvermeidbar.“