Gentechnikfreier Gipfel

300 Bauern, Wissenschaftler, Umweltaktivisten und Verbraucher trafen sich in Brüssel und Gent zur sechsten Konferenz der Gentechnikfreien Regionen. In 30 Workshops diskutierten sie die verschiedensten Themen rund um die grüne Gentechnik. Das größte Aufsehen erregte der argentinische Professor Andres Carrasco mit seiner Studie über die Embryonen schädigende Wirkung des Monsanto-Pestizids Roundup. Am Ende der Konferenz forderten die Teilnehmer ein Moratorium für die Freisetzung von gentechnisch veränderten Pflanzen.

Ein wichtiger Diskussionspunkt war auch die neue Gentechnik-Politik der EU. John Dalli, der dafür zuständige Verbraucher-Kommissar der EU, erläuterte in seiner Rede das im Juli 2010 vorgestellte Paket der EU-Kommission. „Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass unter bestimmten ökonomischen oder natürlichen Bedingungen eine Koexistenz nicht möglich ist,“ räumte Dalli ein, verteidigte aber gleichzeitig das Zulassungssystem der EU. Er teilte mit, dass die Kommission derzeit an einer „technischen Lösung“ für das Problem nicht zugelassener gentechnisch veränderter Organismen (GVO) in Futtermitteln arbeite. Dazu sollen die Methoden vereinheitlicht werden, nach denen die Mitgliedsstaaten Proben ziehen, sie analysieren und die Messergebnisse bewerten. Das sei keine Abkehr vom Null-Toleranz-Ansatz der EU, mache ihn jedoch handhabbarer, erklärte Dalli: „Es wird eine untere Grenze definiert, ab der die Kontrollergebnisse aussagekräftig genug sind, um rechtliche Sicherheit zu gewährleisten.“ In der Praxis dürfte dies dazu führen, dass Verunreinigungen von weniger als 0,1 Prozent künftig nicht mehr beanstandet würden.

Inzwischen gibt es in Europa über 4000 gentechnikfreie Regionen und Kommunen. Als neuestes Mitglied trat auf der Konferenz die Region Brüssel dem Bündnis bei.