EU-Zulassung: Schwierige Folgenabschätzung

Ende 2008 haben die EU-Umweltminister beschlossen, dass bei der Zulassung von gentechnisch veränderten Pflanzen auch sozio-ökonomische Folgen berücksichtigt werden sollten. Die österreichische Regierung hat Wissenschaftler der Universität Graz damit beauftragt, Grundlagen dazu zusammenzustellen. Der jetzt vorgelegte Bericht zeigt, dass eine solche Bewertung nicht einfach ist.

Das liegt zum einen daran, dass der Begriff sehr unbestimmt ist und alle gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen umfassen kann. „Ausgenommen ev. ethische Auswirkungen scheint unter diesem Begriff alles versammelt zu sein, was eben nicht die Box der Risikoabschätzung passt“, heißt es in der Zusammenfassung. Zwar gebe es bereits eine „beachtliche Menge an wissenschaftlichen Aufsätzen und Berichten“, doch würden sich diese Studien meist auf wirtschaftliche Auswirkungen beschränken. Bei Entwicklungsländern liege der Schwerpunkt bei den Anwendern und bei den Nutzpflanzen auf Baumwolle. Ein Großteil der Bereichte könne industrienahen oder Umwelt-NGO-nahen Kreisen zugeordnet werden. Umfassende Studien von öffentlichen Einrichtungen oder unabhängigen Organisationen seien selten zu finden. Als eine der wenigen wird der Weltagrarbericht erwähnt.

Schwierig dürfte es werden, eine solche Folgenabschätzung umzusetzen. „Um ein Abschätzungsverfahren zu etablieren, muss geklärt werden, auf welchen normativen Referenzrahmen man sich bezieht und welche Konzepte, Kriterien, Auswirkungsdimensionen, ‘Endpunkte’ und Methoden herangezogen werden sollen“, schreiben die Autoren. Dies werde zusätzlich dadurch kompliziert, „dass Wissenschaftler sehr unterschiedliche Ansichten haben, z.B. was unter sozialen Auswirkungen zu verstehen ist und welche Variablen wichtig für die Abschätzung und Bewertung sind.“ Die Studie enthält auch Vorschläge für das weitere Vorgehen, die vor allem eines deutlich machen: Schnell einführen lässt sich eine solche Folgenabschätzung nicht.