Neues Buch: Monsanto auf Deutsch

Sechs Monate Haft wegen einer Feldbefreiung sitzt der Gentechnik-Aktivist Jörg Bergstedt derzeit ab. Er hat die Zeit genutzt, um sein neues Buch fertig zu schreiben: „Monsanto auf Deutsch“ heißt es und ist am 21. Dezember erschienen. Es handelt (fast) nicht vom skandalträchtigen US-Konzern, sondern schildert die Gentechnik-Seilschaften und ihr Wirken in Deutschland.

Dieses Thema hatte Jörg Bergstedt schon in seiner Broschüre „Organisierte Unverantwortlichkeit“ aufgegriffen, die über 100.000 mal von Initiativen, in Bioläden und bei Veranstaltungen verteilt wurde. In seinem Buch vertieft er den Blick in die Niederungen des Gentechnik-Sumpfes, stellt weitere Firmen, Forscher und Lobbyverbände vor. Penibel hat er die Informationen über Personen, Organisationen, Behörden und Geldflüsse zusammengestellt, mit Quellen belegt und mit Beispielen anschaulich gemacht. Die ersten Kapitel drehen sich um die Verflechtungen zwischen den Beteiligten. Immer wieder ziehen die gleichen Personen in verschiedenen Funktionen an den Strippen, zwischen allen Beteiligten besteht ein enges Geflecht, in dem sowohl Genehmigungsbehörden wie auch Geldgeber mitspielen: Noch nie ist ein Feldversuch mit gentechnisch veränderten Pflanzen in Deutschland abgelehnt worden. Im zweiten Teil stellt Bergstedt an konkreten Fragestellungen die Strategien der Gentechnikbranche dar: Ihre Propaganda und was davon zu halten ist. Das Spiel mit der Koexistenz. Die Repression gegen Kritiker.

Im Gegensatz zu zwei früheren Studien anderer Autoren, die sich bereits mit dem deutschen Genfilz befassten, beschreibt Jörg Bergstedt diesen Filz nicht wissenschaftlich-nüchtern. Der Ärger und die Wut des Gentechnik-Aktivisten über die korrupten Strukturen sind in jeder Zeile spürbar. Im Kapitel XIII „Seilschaften auf grüner Seite: Umwelt-NGOs ,grüne Parteien und Biolandbauverbände“ bekommen das auch gentechnikkritische Verbände und Organisationen zu spüren, deren Aktivitäten aus Bergstedts Sicht systemstabilisierend, ineffektiv und auf den eigenen Erhalt (durch Spendengelder) ausgerichtet sind. „Gentechnikfreiheit gibt es nur dann, wenn die 80 Prozent Ablehnung auch in direkten Protest umschlagen – nicht nur per Protestmail oder am Supermarktregal“, argumentiert der Feldbefreier und watscht einen Großteil der Anti-Gentechnik-Bewegung einseitig und polemisch ab. Die wird ihn dafür teilweise mit Missachtung strafen und das Buch links liegen lassen. Was schade wäre. Zur Vielfalt auf dem Öko-Acker gehören nun mal auch Kratzdisteln – aber auch alle anderen Pflanzen.

2 Gedanken zu „Neues Buch: Monsanto auf Deutsch“

  1. Freiheit für Jörg Bergstedt !!!!!!!!!! Und für
    alle die wegen Meinungsdelikten in knästen der BRD-GmbH einsietzen.
    ____________________________________________-
    Andre Marks
    Wolfsburg/Kolonie der Allierten
    Seit 1990 (BRD-GmbH)

  2. @Marks
    Ich glaube nicht, dass Jörg Bergstedt sich über Zustimmung aus der rechten Ecke freut. Dass zum Beispiel Volksverhetzer und Holocaustleugner in Deutschland mit Bestrafung rechnen müssen, ist vollkommen in Ordnung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

7 + 7 =