Gen-Baumwolle in Indien: Die Schädlinge überleben

Zum zweiten Mal haben indische Wissenschaftler nachgewiesen, dass Baumwollschädlinge, die von genmanipulierter Bt-Baumwolle getötet werden sollten, in den Feldern überleben. Diesmal fanden die Forscher die Baumwollkapseleule auch in Feldern mit neu entwickelten Gen-Pflanzen, die zwei verschiedene Bt-Toxine produzieren. Außerdem wiesen sie erstmals nach, dass die Nachtfalter sich in diesen Feldern auch fortpflanzen und ihre Larven munter die Baumwollpflanzen anknabbern.

Die Insektenforscher der Universität Raichur im indischen Bundesstaat Karnataka verglichen in ihrer Studie den Schädlingsbefall auf Versuchsfeldern der Universität, die mit verschiedenen Arten von Bt-Baumwolle und den entsprechenden gentechnikfreien Linien bepflanzt waren. Es habe kaum Unterschiede zwischen den Populationen auf den gentechnikfreien Feldern und denen mit Bt-Baumwolle gegeben, sagten die Wissenschaftler der indischen Zeitung Telegraph. Sie betonten, dass offen sei, ob die Tiere bereits Resistenzen entwickelt hätten, oder ob sie überlebt hätten, weil die Bt-Pflanzen zumindest zeitweilig zuwenig Bt-Toxin produziert hätten. In diesem Fall wäre die Wahrscheinlichkeit hoch, dass aus dem Nachwuchs der überlebenden Populationen in einigen Jahren resistente Bestände entstünden.

Bereits im März 2010 hatten Monsanto-Wissenschaftler auf Baumwollfeldern im westindischen Bundesstaat Gujarat Raupen entdeckt, die eine Resistenz gegen die Bt-Bauwollsorte Bollguard I entwickelt hatten. Der Gentechnik-Konzern argumentierte damals, dass die neuentwickelte Sorte Bollguard II, die zwei verschiedene Bt-Gifte produziert, solchen Resistenzen vorbeuge. Die Wissenschaftler aus Raichur haben nun gezeigt, dass die Baumwolleule auch in Feldern mit solchen Pflanzen überleben kann. Überraschend sei diese Entwicklung nicht, kommentierten die Forscher. „Nur wusste niemand, wann es so weit sein würde.“