Klontiere: EU will keine völliges Verbot

Die EU-Kommission hält es nicht für möglich, Milch und Fleisch, das von den Nachkommen geklonter Tiere stammt, zu verbieten. Es landet bereits jetzt auf den Tellern der Verbraucher. Dies geht aus einem nicht öffentlichen Papier der EU-Kommission für Handel hervor, das die Organisation Testbiotech veröffentlicht hat.

Geklonte Tiere, vor allem Rinder, werden in den USA (und einigen anderen Ländern) schon seit mehreren Jahren in der Zucht eingesetzt. Dort können Erzeugnisse dieser Tiere und ihrer Nachkommen frei und ungekennzeichnet vermarktet werden. In der EU ist das Klonen selbst nicht zugelassen. Es wurde aber bereits Samen von Klontieren importiert. Nachkommen dieser Klontiere stehen also in Ställen in der EU und produzieren Milch oder Fleisch. „Das Problem ist, dass wir nicht wissen, welches Tier der Nachkomme eines Klons ist“, schreibt die Kommission. Schon deshalb sei ein Verbot der von diesen Nachkommen produzierten Lebensmitteln derzeit nicht möglich. Erst müsse ein Rückverfolgbarkeitssystem für das genetische Material geschaffen werden. Selbst dann könnten, so argumentiert die Kommission, Importe von Lebensmitteln von Klon-Nachkommen von außerhalb der EU nicht verboten werden. Da es in anderen Ländern keine Rückverfolgungsssysteme gebe, müsste man den gesamten Import an Fleisch und Milch verbieten und damit massiv gegen die Regeln des Welthandels verstoßen. Lediglich für Lebensmittel, die direkt von geklonten Tieren stammen, könne ein Verbot nach WTO-Regeln begründet werden.

„Setzt sich die EU Handelskommission mit ihrer Auffassung durch, bekommen die Verbraucher in Europa bei Produkten wie Milch und Fleisch auch in Zukunft keine Wahlmöglichkeit, obwohl es eine breite Ablehnung des Klonens von Nutztieren gibt“, schreibt Testbiotech in einer Mitteilung. Testbiotech-Geschäftsführer Christoph Then wirft EU-Handelkommissar De Gucht vor, er wolle vor den Lobbyisten der Agrarindustrie kapitulieren.