Protest gegen „nachhaltiges“ Soja

Ein breites Bündnis von Umweltorganisationen hat die großen Lebensmittelhersteller und Supermarktketten davor gewarnt, auf als „nachhaltig“ zertifiziertes Soja zu setzen. Die vom Runden Tisch für verantwortbaren Sojaanbau (Round Table for Responsible Soy, RTRS) entwickelten Standards seien zu schwach, um Umwelt und Menschen zu schützen.

Im Juni 2010 hatten die Mitglieder des RTRS ihren Standard verabschiedet. Demnächst sollen die ersten zertifizierten Bohnen vermarktet werden. Die Umweltverbände werfen dem RTRS vor, dass auch genmanipulierte Bohnen, die auf abgeholzten Flächen wachsen, als nachhaltig zertifiziert würden. „Die Kriterien sind so schwach, dass sie es zulassen, die Sojaanbauflächen auf Kosten von Kleinbauern, Wäldern und anderen wichtigen Ökosystemen zu erweitern. Der massive Einsatz von Pestiziden wird weitergehen und die Gesundheit der Menschen und die Umwelt schädigen“, erläutert Kirtana Chandrasekaran, von Friends of the Earth International. In einem Report haben die Organisationen ihre Kritik am RTRS zusammengefasst. Die Schwerpunkte liegen dabei auf den gesundheitsschädigenden Wirkungen des zusammen mit Gen-Soja eingesetzten Herbizids Roundup und auf den auslegungsfähigen Regelungen zur Landnutzung.

Supermarktketten, die versuchen, ihren Kunden die Lüge vom nachhaltigen Soja zu verkaufen, würden einen großen Fehler machen, warnen die Umweltorganisationen in ihrem Schreiben. Der Versuch, eine nichthaltige Industrie reinzuwaschen sei offensichtlich. Statt bei diesem Versuch mitzumachen, sollten die Unternehmen den Anbau heimischer Futtermittel und den Aufbau einer nachhaltigen Fleisch- und Milcherzeugung in Europa unterstützen.

Zu den Mitgliedern des RTRS zählen Monsanto und Syngenta ebenso wie die großen Agrarmultis ADM und Cargill, die Ölkonzerne Shell und BP, die Lebensmittelkonzerne Unilever und Nestle. Engagiert sind auch der Verband der Ölsaaten verarbeitenden Industrie in Deutschland, der Fleischkonzern Vion und die Molkerei Friesland Campina. Mit gegründet und seither verteidigt hat den RTRS die Umweltorganisation WWF. Sie dient neben einigen anderen Naturschützern und der niederländischen Entwicklungsorganisation Solidaridad als Feigenblatt. Der Deutsche Naturschutzring als Dachorganisation aller deutschen Umweltverbände hat erst kürzlich den WWF aufgefordert, den RTRS zu verlassen.