Bundesregierung gibt zu: Agro-Gentechnik fördert Superunkräuter

Der massive Anbau herbizidtoleranter Gentech-Pflanzen in den USA hat dort resistente Unkräuter entstehen lassen. Um diese zu bekämpfen, werden in gentechnisch veränderten Kulturen deutlich mehr Pestizide ausgebracht als in konventionell angebauten Kulturen. Diese Zusammenhänge hat die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Anfrage der SPD ausdrücklich bestätigt. Allerdings seien diese Erfahrungen nicht auf die anders strukturierte deutsche Landwirtschaft übertragbar. Doch auch hierzulande gibt es Unkräuter, die gegen Herbizide resistent sind – vom ganz normalen Spritzen.

„Es besteht ein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem seit einigen Jahren stark angestiegenen Anbau gentechnisch veränderter herbizidtoleranter Kulturpflanzen in den USA in Verbindung mit dem entsprechenden Einsatz von Herbiziden und den dort durch das Auftreten herbizidtoleranter Unkräuter verursachten Problemen für Landwirte“, schreibt die Bundesregierung in Drucksache 17/5027. Sie bestätigt, dass die Farmer zur Bekämpfung solcher Superunkräuter zusätzlich zu Glyphosat weitere Wirkstoffe einsetzen müssen. „So war der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (gemessen in Wirkstoffmenge pro Fläche) in den USA im Jahr 2008 in gentechnisch veränderten Kulturen deutlich höher als in konventionell angebauten Kulturen.“ Die Bundesregierung weist darauf hin, dass die Selektion von resistenten Unkräutern unabhängig vom Anbausystem vor durch die einseitige Anwendung von Herbiziden gefördert wird. Dies sei bei gentechnisch veränderten Pflanzen, die gegen ein Herbizid tolerant sind, häufig der Fall, komme aber auch in der konventionellen Landwirtschaft vor.

Ausführlich geht die Anfrage auf resistente Unkräuter auf deutschen Äckern ein. Bisher sind bei 16 Unkrautarten Resistenzen aufgetreten. In den 80er-Jahren wurden Unkräuter vor allem gegen das inzwischen verbotene Herbizid Atrazin resistent. In den letzten Jahren sind die Resistenzfälle bei Ackerfuchsschwanz und Windhalm deutlich angestiegen. Die beiden Arten wurden vor allem gegen die Wirkstoffgruppen der ACCase-Inhibitoren und der ALS-Inhibitoren unempfindlich. Glyphosat spielt dagegen, anders als in den USA, keine Rolle. Die Bundesregierung geht davon aus, dass etwa 250.000 Hektar Ackerfläche von einer Acker-Fuchsschwanz-Resistenz betroffen sind und 100.000 ha von einer Windhalm-Resistenz. Zahlen aus Bayern gehen von Acker-Fuchsschwanz-Resistenz auf mehr als 15 Prozent der Anbaufläche und von Windhalm-Resistenz auf fünf Prozent der Flächen aus. Einzige Möglichkeit der Bekämpfung: Zusätzliche Herbizide einsetzen.

2 Gedanken zu „Bundesregierung gibt zu: Agro-Gentechnik fördert Superunkräuter“

  1. Das verstehe ich jetzt nicht: in den 80er Jahren gab es Resistenzen, aber noch keine Gentechnik, jetzt gibt es Gentechnik und die soll jetzt schuld sein? Das Problem ist doch weniger die Gentechnik, als der Einsatz der SPritzmittel durch den Landwirt, oder? Selbst wenn es jetzt keine GEntechnik mehr gäbe, hätten wir immer noch ein Problem mit Resistenzen. Oder würden die Resistenzen verschwinden, wenn es keine Gentech-Pflanzen mehr gäbe? Das kann ich mir nicht vorstellen … Etwas mehr Genauigkeit bei Kausalitätszusammenhängen wäre schön, so scheint mir das doch sehr konstruiert …

  2. Ich denke es hier um die Aussage der Gentechnikbefürworter, die lautet „Mit Hilfe von Gentechnik müssen weniger Pestizide eingesetzt werden als im Landbau ohne Gentechnik“. Dieses PRO-Argument kann nun ganz offiziell ad acta gelegt werden.

    „Das Problem ist doch weniger die Gentechnik, als der Einsatz der SPritzmittel durch den Landwirt, oder?“

    Durch Gentechnik ist erhöhter Einsatz von Spritzmitteln erforderlich, also muss der Landwirt auch mehr spritzen, damit die Unkräuter vernichtet werden. Das Problem der Resistenzen wird durch Gentechnik also verschärft.

    Ohne Gentechnik hat man das Problem auch, deswegen möchte man (der Bioanbau) ja so wenig wie möglich spritzen (ohne gehts leider nicht) und versucht z. B. geht auf Artenvielfalt zu setzen, die natürliche Methode der Schädlingsbekämpfung.

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