Manipuliertes Erbgut in Fleisch und Milch

Erbgut von genmanipuliertem Soja, Mais oder Raps kann, wenn die Pflanzen an Tiere verfüttert werden, auch in deren Fleisch und Milch nachgewiesen werden. Wissenschaftler haben schon mehrfach Gen-Abschnitte aus gentechnisch veränderten Pflanzen in tierischen Produkten gefunden. Nun hat mit dem Raiffeisenverband ein wichtiger Vertreter der Futtermittelindustrie dies zugegeben. Entwarnung kommt vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Die manipulierten Erbgutschnipsel seien kein zusätzliches Risiko.

„Der Übergang und der vorübergehende Verbleib von mit der Nahrung aufgenommener DNA-Fragmente in Gewebe von Tieren ist ein natürlicher Vorgang. Ein per se höheres Risiko durch rekombinante DNA-Sequenzen aus gentechnisch veränderten Pflanzen ergibt sich hieraus nicht,“ heißt es in einer aktuellen Stellungnahme des BfR. Das Institut begründet dies damit, dass die manipulierte DNA chemisch äquivalent zu nicht gentechnisch veränderter DNA sei und im Organismus von Mensch und höheren Tieren nach denselben Prinzipien verstoffwechselt werde. „Ein mit Genfragmenten aus der Nahrung verbundener horizontaler Gentransfer, der die dauerhafte Integration funktioneller Fremdgene in das Genom voraussetzt, wurde bei höheren Tieren bisher nicht beobachtet.“ Soll heißen: Die Gen-Schnipsel aus der Pflanze werden von den Tieren nicht ins eigene Erbgut eingebaut.

Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) nahm die Stellungnahme zum Anlass, seine Mitglieder darauf hinzuweisen, dass man damit rechnen müsse, dass in Zukunft gentechnisch veränderte DNA aus Futterpflanzen auch in der Milch von Kühen nachgewiesen werde. Als Konsequenz empfiehlt der Verband jedoch nicht den Umstieg auf gentechnikfreies Futter. Er rät en Unternehmen der Lebens- und Futtermittelwirtschaft lediglich, „im Rahmen ihrer Kommunikationsarbeit zur Verwendung gentechnisch veränderter Futtermittel den bislang fehlenden Nachweis des Übergang gentechnisch veränderter Bestandteile aus Futterpflanzen in Milch nicht zum zentralen Bestandteil ihrer Argumentation zu machen.“ Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft warf dem Verband vor, er stelle „kurzfristige Interessen der Gentechnik- und Futtermittelindustrie über die mittel- und langfristigen ökonomischen Interessen der Milchbauern und der Molkereien.“