US-Forscher warnt vor Glyphosat und einem neuen Erreger

Ein US-Forscher warnt vor einem neuartigen Mikro-Pilz. Dieser soll Pflanzenkrankheiten fördern und bei den mit diesen Pflanzen gefütterten Tieren zu Totgeburten führen. Der Wissenschaftler verbindet den neuen Erreger mit dem Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen und der verstärkten Nutzung des Herbizidwirkstoffs Glyphosat (Roundup). Die Theorie wird kontrovers diskutiert.

Don Huber ist Experte für Pflanzenkrankheiten und emeritierter Professor der Purdue University im US-Bundesstaat Indiana. Er schrieb im Januar 2011 einen vertraulichen Brief an US-Landwirtschaftsminister Tom Vilsack. Darin teilte er mit, ein Team altgedienter Wissenschaftler habe unter dem Elektronenmikroskop einen sich vermehrenden Organismus entdeckt, so groß wie ein mittelgroßes Virus, aber mit den Eigenschaften eines Pilzes. Es gebe deutliche Hinweise darauf, dass dieser Organismus Krankheiten bei Pflanzen und Säugetieren fördere. Gefunden habe man hohe Konzentrationen des Mikro-Pilzes in RoundupReady-Sojabohnen und Mais, in Schweinemägen und der Plazenta von Schweinen und Rindern. Die Pflanzen hätten an bestimmten Pilzerkrankungen gelitten, die Tiere stammten aus Herden mit Fruchtbarkeitsstörungen und hohen Raten an Totgeburten. Für Huber ist der neu entdeckte Erreger eine mögliche Erklärung dafür, dass sowohl die Fruchtbarkeitsstörungen als auch Pilzerkrankungen in den letzten Jahren deutlich zunahmen. Er begründete die frühzeitige Warnung – vor einer Veröffentlichung der Ergebnisse in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift – mit den Gefahren für die US-Landwirtschaft und forderte vom Landwirtschaftsminister sofortige und massive Forschungsaktivitäten.

Im Februar kam der Brief an die Öffentlichkeit und löste massiven Widerspruch bei Monsanto und zahlreichen Forschern aus. Monsanto wehrte sich vor allem gegen die von Huber schon früher geäußerte These, dass der Einsatz von Glyphosat die Aufnahme von Spurenelementen behindere und dadurch die Pflanzen anfälliger gegen Pilzerkrankungen mache. Im März informierte Don Huber auch EU-Kommissar Barroso über die Vorgänge. Bis heute hat er allerdings keine weiteren Informationen über die Forschungsergebnisse veröffentlicht und auch die Namen der beteiligten Wissenschaftler nicht genannt. Gegenüber US-Medien begründete er dies damit, dass einige von ihnen an Universitäten arbeiteten, die von der Biotechnik-Industrie unterstützt würden und er Nachteile für sie befürchte.