EU-Experten arbeiten für die Agro-Industrie

In einem Report hat die Journalistin Claire Robinson Verflechtungen zwischen Pestizid-Experten der EU-Lebensmittelbehörde EFSA und der Agro-Industrie aufgezeigt. Einer der Betroffenen musste sein Berater-Amt bei der EFSA niederlegen. Er hatte verschwiegen, dass er auch Chemieunternehmen beriet. Seine Kollegen arbeiten weiter, für die EFSA und für das industrienahe International Life Science Institute (ILSI). Diese Organisation befasst sich mit Themen der Lebensmittelsicherheit und entsprechenden gesetzlichen Regelungen. Sie stellt sich als unabgängig dar, wird aber von der großen Chemie- und Lebensmittelkonzernen finanziert.

Claire Robinson berichtet, dass der italienische Wissenschaftler Angelo Moretti seine Mitgliedschaft im PPR-Gremium der EFSA (Plant Protection Products and their Residues) niederlegen musste. Er hatte verschwiegen, dass er an einer Firma namens Merlete beteiligt war, die Chemie-Unternehmen im Umgang mit der EU-Chemikalienverordnung REACH beriet. Moretti arbeitete auch an zwei Projekten von ILSI mit, die sich mit der Risikoabschätzung von Pestiziden befassten. Sein Kollege Alan Boobis war von 2006 bis 2009 stellvertretender Vorsitzender des PPR-Gremiums und ist seither Mitglied des EFSA-Gremiums für Kontaminanten in der Lebensmittelkette (CONTAM). Laut seiner Declaration of Interest sitzt er bei ILSI in deren Kuratorium (Board of Trustees) und forscht in deren Auftrag. Daneben berät er mehrere Pharma- und Chemiefirmen. Milan Kovac ist Mitglied im Aufsichtsrat der EFSA. Er sitzt nach eigenen Angaben ebenfalls bei ILSI im Board of Trustees und bei ILSI Europa zudem im Vorstand (Board of Directors).

Claire Robinson beschreibt, wie die Arbeiten der EFSA-Experten für ILSI in die Risikoabschätzung der EFSA einflossen. Wie eng die Verbindungen zwischen Industrie und EFSA im Bereich der Agro-Gentechnik sind, zeigte bereits die Organisation Testbiotech auf. Auch hier spielte das ILSI mit seinen als unabhängig dargestellten Forschungsarbeiten eine wesentliche Rolle.

2 Gedanken zu „EU-Experten arbeiten für die Agro-Industrie“

  1. Saustall hoch drei – Das Wohl (Gesundheit und Nahrung) der Bürger sollte doch bei Politikern
    an erster Stelle stehen (ist wohl auch im Amtseid festgelegt) – Die Politiker denken jedoch nur an ihr eigenes Wohl , sprich Bankkonto – nach dem Motto: wessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe! Ein wirklich erschreckender Zustand, ob in der EU oder in anderen nationalen Parlamenten: Lobby-Politik. Da braucht man sich nicht über Bananenrepublik-Verhalten und Korruption exotischer Staaten aufregen, wenns im sog. zivilisierten Westen genauso zugeht. Solches Verhalten schwächt die Glaubwürdigkeit einer verantwortungsvollen Politik für das Allgemeinwohl gewaltig.

  2. Eine ausgesprochene Sauerei, wenn das stimmt.
    Alles für den Profit, die Gesundheit der Bürger ist
    denen scheinbar egal.
    Hier hilft nur mehr die sofortige Aktion scharf.
    Das hebt wieder die Anzahl der EU Gegner, so
    darf man sich nicht wundern über deren steigende Zahl !!!

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