Indien: Bt-Baumwolle und Selbstmorde

Die Baumwollernte 2011/2012 ist in vielen Regionen Indiens drastisch eingebrochen. Allein im westindischen Bundesstaat Maharashtra hätten die Baumwollbauern aufgrund der Trockenheit und fehlender Bewässerungsmöglichkeiten 20011/12 Ernteverlust von 1,6 Milliarden Euro erlitten, schreibt Kishor Tiwari von der Kleinbauernvereinigung Vidarbha Janandolan Samiti in seinem Blog. Parallel dazu stieg die Zahl der Bauern, die sich aus Verzweiflung über ihre Schulden das Leben nahmen. „Gentechnik-Baumwolle bringt Bauern um“ lautet die bei Gentechnikgegnern beliebte Schlussfolgerung. Doch die Zusammenhänge sind komplizierter.

Der US-amerikanischen Anthropologen Glenn Davies Stone argumentiert in seinem Blog, dass die Verschuldung der Bauern auch ohne Bt-Baumwolle immer schon hoch war und die höheren Saatgutpreise in Relation dazu kaum ins Gewicht fielen. Auch seien nur in den ersten Jahren der Markteinführung die Bt-Pflanzen besonders trockenempfindlich gewesen. Inzwischen gebe es einige hundert Bt-Hybridsorten mit verschiedenen Eigenschaften. Die Farmer hätten keine Möglichkeit auszuprobieren, welche Sorten für ihre lokalen Bedürfnisse passten und welche ökologischen Folgen sie haben. Obwohl er in seiner Studie bessere Ernten für Kleinbauern mit Bt-Baumwolle nachweisen konnte, sieht er Bt-Baumwolle als Teil des Problems und nicht als Lösung. Stone rechnet auch vor, dass die Baumwollerträge indienweit nur bis 2006 stiegen und seither trotz fast flächendeckendem Anbau von Bt-Baumwolle sinken. In Bundesstaaten mit stark steigenden Erträgen wie Gujarat macht er die Ausdehnung des Anbaus auf sehr fruchtbare und gut bewässerte Flächen verantwortlich.

Das indische Online-Magazin DNA verweist in seiner Analyse darauf, dass die immer stärkere Hinwendung der Bauern zum Cash-Crop Baumwolle die Situation mit verschärft habe. Mit der Fläche hätten auch die Investitionen der kleinen Bauern in den Baumwollanbau zugenommen In den am stärksten betroffenen Regionen Khandesh and Marathwada würden nur noch auf zehn Prozent der Flächen Grundnahrungsmittel wachsen – was deren Preis in die Höhe treibe.