Superviren aus dem Gentechnik-Labor – Nein danke!

Wissenschaftlern ist es gelungen, das Vogelgrippe-Virus H5N1 gentechnisch so zu verändern, dass es zwischen Säugetieren über die Luft übertragbar ist. Sollte dieser neue Virusstamm versehentlich oder absichtlich freigesetzt werden, ist mit Millionen Toten zu rechnen. Die Organisationen Testbiotech und Gen-ethisches Netzwerk haben Bundeskanzlerin Merkel aufgefordert Stellung zu beziehen. Die beiden Organisationen fordern, die bereits hergestellten Virus-Stämme zu zerstören, vergleichbaren Projekte in Deutschland zu stoppen und verbindliche Regeln für hoch missbrauchsgefährdete Forschung zu beschließen. Den Brief kann man online mit unterzeichnen.

Zum Hintergrund: Wissenschafter aus den Niederlanden und den USA hatten untersucht, auf welchen Wegen Vogelgrippeviren hochansteckend werden können. Bislang werden die tödlichen Erreger kaum von Mensch zu Mensch übertragen. Die Forscher konstruierten dazu neue, hochansteckende H5N1-Stämme und testeten sie an Frettchen. Die Fachblätter Nature und Science berichteten pauschal über die Forschungen, ohne Einzelheiten zu veröffentlichen. Auf den Protest von Kollegen und Politikern hin erklärten die Wissenschaftler ein vorläufiges Moratorium (vorerst bis 20 März 2012). Bisher ist offen, ob die Forschungen fortgesetzt und die Ergebnisse veröffentlicht werden. Mit genauen Versuchsprotokollen könnten auch andere Wissenschaftler solche Superviren im Labor züchten. Die Weltgesundheitsorganisation hat sich für eine Fortsetzung der Versuche ausgesprochen.

Christof Potthof vom Gen-ethischen Netzwerk fordert für solche Entscheidungen demokratisch und international legitimierte Prozesse. „Der Gesellschaft muss ein Mitspracherecht bei missbrauchsgefährdeter Forschung dieser Art eingeräumt werden. Im konkreten Fall sind wir für die Vernichtung der neuen Viren.“