EFSA gibt erstmals Interessenskonflikt zu

Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat erstmals eingeräumt, möglichen Interessenskonflikten ihrer Mitarbeiter nicht genug Aufmerksamkeit gewidmet zu haben. In einem Schreiben an den EU-Ombudsmann bedauerte die EFSA, entsprechenden Informationen nicht rechtzeitig nachgegangen zu sein. Als Konsequenz habe sie ihre internen Richtlinien überarbeitet.

Konkreter Anlass für das Schreiben war der Fall von Suzy Renckens. Sie leitete von 2003 bis 2008 die Gentechnikabteilung der EFSA und wechselte 2008 direkt als Lobbyistin zum Konzern Syngenta. Der Verein Testbiotech machte diesen Wechsel 2009 öffentlich und schaltete den EU-Ombudsmann ein, nachdem EFSA und EU-Kommission sich weigerten, Maßnahmen zu ergreifen. Der Ombudsmann teilte die Kritik von Testbiotech und der Brüsseler Organisation Corporate Europe Observatory (CEO). In ihrem inzwischen dritten Schreiben an den Ombudsmann räumte die EFSA nun erstmals Fehler ein.
Weitere Schreiben dürften folgen. Denn Testbiotech und CEO haben dem Ombudsmann auch den Fall von Harry Kuiper vorgelegt. Er leitete fast zehn Jahre lang das Expertengremium für Gentechnik bei der EFSA und kooperierte gleichzeitig eng mit dem industriefinanzierten International Life Science Institute (ILSI).
Harsche Worte über die Verfilzung zwischen EFSA und Industrielobbyisten fielen auch im Haushaltsausschuss des Europaparlament. Er verschob die Entlastung der EFSA für den Haushalt 2010. Die Abgeordnete Corinne Lepage sagte, die europäischen Agenturen müssten umgehend den Interessenkonflikten ein Ende bereiten. Diese würden die Demokratie und die Glaubwürdigkeit von EU-Entscheidungen unterminieren. Unter den vom Ausschuss angenommenen Ergänzungen zum Bericht über die EFSA fordert eine die Behörde auf, die Zugehörigkeit ihrer wissenschaftlichen Experten zu ILSI-Arbeitsgruppen als Interessenskonflikt zu bewerten.

Sehenswert: Der österreichische Doku-Thriller „The Brussels Business“ beleuchtet die Welt der 15.000 Lobbyisten in Brüssel.