Nachhaltiges RTRS-Soja – Audits ohne Wert

Die Zertifizierungen nach den Standards des Runden Tisches für verantwortlichen Sojaanbau (Roundtable on Responsible Soya, RTRS) bringen keine Verbesserungen, sondern segnen nur die derzeitigen Zustände ab. Zu diesem Ergebnis kommen die Organisationen GM Freeze, Friends of the Earth und Corporate Europe Observatory. Sie haben die ersten zehn vom RTRS veröffentlichten Audits ausgewertet.
Nach Angaben von GM Freeze sind bisher weniger als 0,5 Millionen Tonnen der weltweit jährlich produzierten 260 Millionen Tonnen Sojabohnen RTRS-zertifiziert. Sie stammen von 14 Unternehmen, darunter zwei der größten südamerikanischen Anbauer, Grupo Andre Maggi aus Brasilien und Grupo Los Grobo aus Argentinien. Der größte Teil der zertifizierten Bohnen sei genmanipuliertes Roundup Ready Soja. Die zehn veröffentlichten Audits seien unterschiedlich detailliert gewesen, schreibt GM Freeze. Am dünnsten waren die Berichte bei den beiden größten Produzenten. Eine Einsicht in die kompletten Prüfungsunterlagen habe deren Zertifizierer Control Union verweigert.
Die Durchsicht der veröffentlichten Audits ergab unter anderem, dass für die meisten der zertifizierten Felder die natürliche Vegetation erst zwischen 2005 und 2009 gerodet worden war. Nur zwei Produzenten hatten ein integriertes Pestizidmanagement, kein einziger hatte sich das Ziel gesetzt, den Pestizideinsatz zu verringern. Der einzuhaltende Mindestabstand zu Siedlungen beim Pestizideinsatz aus der Luft beträgt nur 30 Meter.
Die drei Organisationen veröffentlichten ihren Bericht zur Jahrestagung des RTRS. Ihm gehören fast alle Größen des Soja-Business inklusive Monsanto sowie zahlreiche Lebensmittelhersteller und Handelsketten an. Initiiert wurde der Runde Tisch von der Umweltorganisation WWF. Die meisten anderen Umweltorganisationen sehen den RTRS als Greenwashing-Organisation an und warnen den Handel davor, auf dessen Zertifikate zu setzen.