Neues vom Gentechnik-Filz

Ein neuer Bericht von Testbiotech zeigt, dass bei zahlreichen Agrogentechnik-Experten in staatlichen Institutionen Interessenskonflikte bestehen, weil sie zugleich für Lobby-Organisationen der Industrie tätig sind. Der Bericht benennt elf dieser Experten. Die meisten von ihnen haben laut Testbiotech falsche oder zumindest unvollständige Angaben über ihre persönlichen Interessen gemacht.

Im Mittelpunkt des Berichts steht die Expertenkommission für genetisch veränderte Lebens- und Futtermittel des Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Sie befasst sich mit Themen, die für die Risikobewertung gentechnisch veränderter Lebens- und Futtermittel von zentraler Bedeutung sind. „Neun der 13 Mitglieder können als voreingenommen und in vielen Fällen industrienah gelten. Zudem ist die beim BfR angestellte Geschäftsführerin der Kommission eine bekannte Befürworterin der Agrogentechnik“ heißt es in dem Bericht. Dort werden detailliert die Tätigkeiten der Experten für industrienahe Organisationen angegeben. Die wichtigste unter ihnen ist das International Life Science Institute (ILSI), das seinen Stammsitz in den USA hat und von Unternehmen der Lebensmittelindustrie und Agrogentechnik finanziert wird. So ist der Experte Gerhard Eisenbrand Präsident und Mitglied des Board of Directors von ILSI Europe. Gerhard Rechkemmer, Leiter des bundeseigenen Max Rubner-Instituts für Ernährung und Lebensmittel sitzt bei ILSI im Board of Directors und gehört der Task Force Functional Foods an. Alfonso Lampen, Leiter der Abteilung Lebensmittelsicherheit beim BfR, arbeitet ebenfalls in zwei ILSI-Gremien mit. Mehrere der BfR-Experten gehören dem Wissenschaftlerkreises Grüne Gentechnik (WGG) an, einem Lobbyverein, der sich um die Akzeptanz der Agrogentechnik bemüht. Zahlreiche Querverbindungen ergeben sich auch zwischen externen Experten, Behörden-Mitarbeitern und anderen Lobby-Organisationen der Lebensmittelindustrie.

Anhand zweier konkreter Entscheidungen der BfR-Kommission zeigt der Bericht, wie sich die Interessenskonflikte auf deren Arbeit auswirken. Das Fazit des Berichts: „Insgesamt muss festgestellt werden, dass die Kommission für genetisch veränderte Lebens- und Futtermittel nicht geeignet ist, den gesundheitlichen Verbraucherschutz zu gewährleisten und zu stärken.“ Testbiotech-Geschäftsführer Christoph Then sagt dazu: „Hier ist vom Versuch einer systematischen Einflussnahme auf staatliche Institutionen und die öffentliche Meinung auszugehen.“