EFSA bewertet bisher unbeachtetes Virus-Erbgut in Gentech-Pflanzen

Mitarbeiter der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA haben in einer Studie bisher unbeachtete virale Gene erstmals genauer betrachtet Diese könnten zu unbeabsichtigten phänotypischen Veränderungen der Pflanzen führen, schreiben die Autoren. „Die EFSA-Wissenschaftler konnten ein Gefährdung der öffentlichen Gesundheit oder die Umwelt nicht ausschließen“, folgerte der gentechnik-kritische Nachrichtendienst Independent Science News. 54 von 86 in den USA zum Anbau zugelassenen genmanipulierten Pflanzen enthalten diese viralen Gene.
In die Pflanzen kam das als Gene VI bezeichnete virale Erbgut mit dem so genannten Blumenkohl-Mosaik-Virus. Eine Sequenz daraus dient seit über 20 Jahren in der Agro-Gentechnik dazu, das eingesetzte fremde Erbgut anzuschalten, so dass es die gewünschten Fremdproteine produziert. Allerdings sind in der verwendeten Sequenz auch Bausteine des Gene VI – Erbguts verborgen. Gene VI produziert ein multifunktionales Protein. Es macht unter anderem Pflanzen anfälliger für Erkrankungen und regt die Proteinproduktion anderer Gen-Sequenzen an. „Da die bekannten Ansatzpunkte der Gene VI-Aktivitäten sich auch in menschlichen Zellen finden, ist es eine begründete Sorge , dass das von Gene VI produzierte Protein für Menschen giftig sein könnte“, schreibt Independent Science News. Allerdings müsse zuerst genau untersucht werden, ob und welche Mengen an Gene VI – Protein durch die in den Pflanzen enthaltenen Erbgut-Bausteine überhaupt produziert werde. Daten dazu lägen nicht vor.
„Aus der Sicht einer professionellen und wissenschaftlichen Risikoabschätzung stellt die derzeitige Situation einen kompletten und katastrophalen Systemausfall dar“, bewerten Jonathan Latham and Allison Wilson von Independent Science News die Ergebnisse der EFSA. Die einzige sinnvolle Antwort sei es, die Zulassungen für die betroffenen Gentechnik-Pflanzen zu widerrufen.

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