Manipulierte Boten: Risiko unbekannt – aber zugelassen

Genehmigungsbehörden lassen eine neue Klasse von Gentech-Pflanzen mit einem veränderten Wirkmechanismus zu, ohne deren Risiko genauer zu betrachten. Diesen Vorwurf erheben australische, neuseeländische und brasilianische Wissenschaftler in einer Studie.
Bei herkömmlichen Gentech-Pflanzen wird ein zusätzliches Gen ins Erbgut geschleust, um zusätzliche unnatürliche Proteine zu produzieren. Diese wirken als Insektengift (Bt-Toxin) oder machen die Pflanzen widerstandsfähig gegen bestimmt Herbizide. Zunehmend aber kommen neue Gentech-Pflanzen auf den Mark, die so manipuliert wurden, dass sie veränderte Botenstoffe produzieren. Denn die Information, was sie produzieren soll, bekommt eine Zelle von Boten übermittelt, den Ribonukleinsäuren (RNA). Die neuen Gentech-Pflanzen stellen nun eine neue Boten-RNA her (dsRNA, genannt), die im Organismus verschiedene Gene aktivieren oder abschalten kann. So lässt sich die Fettsäurezusammensetzung im Samen beeinflussen, oder eine Larve töten, die diese dsRNA aufnimmt. Doch auch Menschen könnten mit der Nahrung solche veränderte RNA aufnehmen.
Die Genehmigungsbehörden würden aufgrund veralteter Annahmen jedes Risiko durch eine dsRNA ausschließen, argumentieren die Wissenschaftler. Anhand konkreter Fälle zeigen sie auf, welche Risiken die Genehmigungsbehörden vernachlässigten. Eine solche Pflanze mit dsRNA ist auch die Sojabohne MON87705, deren Öl besonders viel Ölsäure enthält. Das zuständigen Expertenkomitee der EU-Lebensmittelbehörde EFSA hat Lebensmittel aus MON87705 bereits für sicher erklärt, eine EU-Zulassung steht noch aus.