Es gibt noch gentechnikfreies Soja

Fast alle britischen Supermarktketten haben in den letzten Wochen erklärt, dass sie künftig bei Geflügelfleisch- und Eierproduktion wieder auf Gentechnik-Tierfutter setzen. Über zehn Jahre lang hatten die Handelsunternehmen ihren Lieferanten vorgeschrieben, nur gentechnikfreies Futter zu verwenden. Sie begründeten ihren Schritt damit, dass nicht mehr genug gentechnikfreies Soja auf dem Markt sei.
Dem widersprach ABRANGE, der Verband der GVO-freien Erzeuger und Verarbeiter Brasiliens. Das Land habe gerade eine Soja-Rekordernte von 82 Millionen Tonnen eingefahren, ein Viertel davon sei gentechnikfrei, schrieb der Verband. Zwar könne es wegen der boomenden Exportwirtschaft zu Verzögerungen bei der Verschiffung kommen. Einen Engpass an gentechnikfreien Rohstoffen gebe es jedoch nicht. Dies bestätigte auch das Zertifizierungsunternehmens CERT ID. Die Menge des von ihm geprüften Sojas sei von 4,3 auf 5,9 Millionen Tonnen gestiegen – mehr als genug für den europäischen Bedarf.
Der Verband Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) berichtete, dass China sich zunehmend für gentechnikfreies Soja aus Brasilien interessiere. Er berief sich dabei auf den Verband der brasilianischen Sojaproduzenten, APROSOJA. Der hatte mitgeteilt, bei einem Treffen mit chinesischen Importunternehmen sei über die Möglichkeiten einer kurzfristigen Einfuhr von über 10 Millionen Tonnen gentechnikfreier Sojabohnen gesprochen worden.
Brancheninsider aus Großbritannien gehen laut VLOG davon aus, dass der eigentliche Grund für den Ausstieg aus der gentechnikfreien Fütterung ein rein wirtschaftlicher sei. Tesco rechne sich aus, rund 115 Euro pro Tonne Soja sparen zu können.