Gutachten: Vorsorglich nichts freisetzen

Die Wissenslücken über die langfristigen Umwelt-Auswirkungen freigesetzter gentechnisch veränderter Organismen sind so groß, dass es gerechtfertigt ist, aus Vorsorgegründen deren Freisetzung zu verbieten. Dies könne auch das internationale Handelsrecht nicht verhindern. Zu diesem Schluss kommt ein Gutachten, dass Professor Ludwig Krämer für die Organisation Testbiotech erstellt hat. Im Klartext: Ein Anbauverbot von Gentech-Pflanzen in der EU hat Vorrang vor den Regeln der Welthandelsorganisation WTO. Umgekehrt lasse sich jedoch aus dem Vorsorgeansatz keine Pflicht – etwa für die EU-Kommission – herleiten, Freisetzungen zu verbieten. „Eine solche Entscheidung ist politischer Natur. Sie hängt von der Antwort auf die politische Frage ab, wie viel Risiko man einer Gesellschaft zumuten will“, schreibt der Professor in der Zusammenfassung.
Für Christoph Then von Testbiotech ist die Antwort klar: „Deswegen müssen derartige Freisetzungen aus Vorsorgegründen grundsätzlich verboten werden – in der EU ebenso wie in anderen Regionen der Welt.“ In der Zusammenfassung des Gutachtens begründet Testbiotech das mit der fehlenden Rückholbarkeit: „Die Rückholbarkeit (zeitliche und räumliche Kontrollierbarkeit) von gentechnisch veränderten Organismen ist eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass Vorsorge überhaupt betrieben werden kann. Wenn ein GVO nicht mehr aus der Umwelt zurückgeholt werden kann, läuft das Vorsorgeprinzip faktisch ins Leere.“
Professor Ludwig Krämer arbeitete über 30 Jahre lang für die EU und ist einer der profiliertesten Umweltrechts-Experten in Europa.