EFSA: Immer noch fest in Lobbyisten-Hand

Fast 60 Prozent der Experten, die in den wissenschaftlichen Gremien der EU-Lebensmittelbehörde EFSA sitzen, haben direkte oder indirekte Verbindungen mit den Industrien, über deren Regulierung sie beraten. Zu diesem Ergebnis kommt ein Report der Organisation Corporate Europe Observatory (CEO). Die neuen Regeln, die sich die EFSA 2012 gab, um den schon oft kritisierten Lobby-Einfluss einzudämmen, „haben die Situation nicht verbessert“ schreibt CEO. Zwar mussten aufgrund der neuen Regeln 85 Wissenschaftler aus den Expertengremien der EFSA ausscheiden. Doch von den 209 derzeit bestellten Experten hätten immer noch 122 Interessenskonflikte aufgrund ihrer Verbindungen zur Industrie, darunter fast alle Vorsitzenden der jeweiligen Ausschüsse und deren Stellvertreter. Dabei hatte CEO nur die offiziellen Angaben der Wissenschaftler auf den Webseiten der EFSA ausgewertet.
CEO erklärt das Versagen der EFSA-Regeln mit dem unterschiedlichen Verständnis von Interessenskonflikten. Die EFSA denke dabei an Fälle von Korruption oder Vorgänge, bei denen Maulwürfe der Industrie mit konkreten Absichten eingeschleust würden. „Die Realität ist viel subtiler. Der Einfluss der Industrie beruht auf langfristigen und strukturellen Prozessen, mit denen die Verbindungen zur Wissenschaft gepflegt werden“, schreibt CEO. Die gemeinsame Kultur, akzeptierte Paradigmen, Gruppendynamik – all das führe dazu, dass die Sichtweisen der Industrie bei diesen Wissenschaftlern als ganz normal gelten.
Interessenskonflikte bestehen deshalb aus Sicht von CEO bereits, wenn die Wissenschaftler Forschungsgelder von der Industrie erhalten, in industrie-gesponserten Organisationen oder Journalen wichtige Positionen besetzen oder als Berater Honorare von Unternehmen bekommen. Aus dieser Sicht heraus enthält der Report auch zahlreiche Empfehlungen an die EFSA, wie sich Interessenskonflikte künftig vermeiden ließen.