EU-Parlament: Gentechnik-Pollen im Honig muss nicht deklariert werden

Das EU-Parlament hat mit großer Mehrheit gegen eine Kennzeichnungspflicht von gentechnisch veränderten Pollen im Honig gestimmt. Damit stellte sich das Plenum sowohl gegen eine anderslautende Empfehlung des Umweltausschusses als auch gegen das einschlägige Urteil des EU-Gerichtshofes. Dieser hatte 2011 entschieden, dass Pollen im Honig als Zutat zu betrachten sei. Der von den EU-Parlamentariern verabschiedete Vorschlag sieht Pollen jedoch als Bestandteil des Honigs und schließt sich damit der Haltung der EU-Kommission an. Das hat Konsequenzen für die Kennzeichnung.
Als natürlicher Bestandteil des Honigs müssten gentechnisch verunreinigte Pollen erst angegeben werden, wenn sie 0,9 Prozent des gesamten Honigs ausmachen. Da der Pollenanteil nur bei 0,5 Prozent liegt, müsste nicht einmal ein hundertprozentig aus Gentechnik-Pollen bestehender Anteil deklariert werden. Als Zutat jedoch würde ein Anteil von 0,9 Prozent Gentechnik-Pollen am Gesamtpollengehalt bereits eine Kennzeichnungspflicht auslösen. Anders gesagt: Jede analytisch nachweisbare Verunreinigung müsste auf das Etikett: „*enthält gentechnisch veränderten Pollen.“
Der grüne Europaabgeordnete Martin Häusling bezeichnete das Abstimmungsergebnis als „Armutszeugnis für die Mehrheit der konservativen und sozialdemokratischen Volksvertreter, die dem starken Lobbydruck der Industrie nachgegeben haben und gegen die Interessen der Menschen in Europa für den Vorschlag der Kommission gestimmt haben.“