Gentech-Mais 1507: Industrie dominiert die Risikoforschung

Die Erforschung der Umweltrisiken beim genmanipulierten Mais 1507 wurde von einem Netzwerk von Wissenschaftlern dominiert, die nicht direkt bei der Industrie angestellt sind, jedoch enge Verbindungen zu ihr haben. So lautet das Fazit einer Recherche, die der Verein Testbiotech veröffentlicht hat. Als ein Beispiel nennt die Organisation den Insektenforscher Blair D. Siegfried von der Universität von Nebraska. Er werde als Erfinder zweier Patente des Dow-Konzerns auf das Insektengift Cry1F genannt, das der Mais 1507 in seinen Zellen produziert. Gleichzeitig sei Blair D. Siegfried an zahlreichen relevanten Studien als scheinbar unabhängiger Wissenschaftler beteiligt, ohne dass dieser Interessenkonflikt in den Publikationen transparent gemacht wurde.
Weiter schreibt Testbiotech: „Die Ergebnisse zeigen auch, dass es nur ganz wenige Studien zum Mais 1507 gibt, die nicht offensichtlich von der Industrie beeinflusst sind. Zu zentralen Bereichen der Risikobewertung gibt es nur sehr wenige nach wissenschaftlichen Standards (peer reviewed) veröffentlichte Studien, so zum Beispiel zu Auswirkungen auf sogenannte „Nichtzielorganismen“ wie Bodenorganismen, Schmetterlinge und Nutzinsekten. Gar keine ‚peer reviewed‘ Publikationen gibt es zur Untersuchung des Genoms und zu ungewollten Veränderungen in den Inhaltsstoffen der Pflanzen. Bei den Fütterungsstudien gibt es zwar ein paar wissenschaftliche Publikationen, die aber alle von der Industrie durchgeführt wurden.“
Diese mögliche Einflüsse durch die Industrie n habe die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA ihrer Risikobewertung nicht berücksichtigt, moniert Testbiotech. Sie habe die Einseitigkeit der Risikobewertung sogar noch verstärkt. „Aus den vorhandenen Publikationen wurde zum Teil selektiv zitiert und es wurden Befunde weggelassen, die auf ein erhöhtes Risiko für die Umwelt hinweisen.“ Laut Testbiotech ist die EFSA derzeit dabei, im Auftrag der EU-Kommission Eingaben zum Mais 1507, u.a. von Testbiotech, zu prüfen. Erklärt die EFSA, dass es keine neuen Erkenntnisse gebe, könne der EU-Kommissar den Mais Anfang Mai zulassen.