USA: Mit Supergift gegen Superunkraut

Das US-Landwirtschaftsministerium hat neue genmanipulierte Mais- und Sojasorten des Chemiekonzerns Dow zugelassen. Die unter dem Markennamen Enlist angebotenen Pflanzen sind sowohl gegen Glyphosat als auch das Alt-Herbizid 2,4-D resistent. Das dazu passende Enlist-Herbizid kommt ebenfalls von Dow, ist eine Mischung aus beiden Wirkstoffen und wartet noch auf seine Zulassung durch die US-Umweltbehörde EPA. Sobald diese eintrifft, soll das neuen Gentech-Saatgut auf den Markt kommen– als Wunderwaffe gegen die zunehmenden glyphosatresistenten Superunkräuter auf den Felder der US-Farmer.

Das Herbizid 2,4-D (Dichlorphenoxyessigsäure) war ein Bestandteil des Entlaubungsmittels Agent Orange, das die Amerikaner im Vietnamkrieg eingesetzt hatten. Dessen verheerende Auswirkungen gingen insbesondere auf Verunreinigungen mit Dioxinen zurück. In manchen Mischungen von 2,4-D könnten immer noch Dioxin gefunden werden, heißt es in einem Bericht, den Testbiotech, Genewatch UK und das Pestizid-Aktionsnetzwerk PAN erstellen ließen. „Zudem liefern unabhängige Studien Hinweise darauf, dass der Wirkstoff 2,4 D Geburtsschäden und Erbgutveränderungen verursachen sowie hormonell wirksam sein kann,“ sagte Hans Muilerman von PAN Europa bei der Vorstellung des Berichts. Dow hat bereits bei der EU die Zulassung seiner Enlist-Pflanzen als Lebens- und Futtermittel beantragt.

Die New York Times berichtete von Schätzungen des US-Agrarministeriums, wonach der Einsatz von 2-4-D in den USA durch die Zulassungen bis 2020 um 200 bis 600 Prozent zunehmen werde. Die Umweltauswirkungen der Zunahme abzuschätzen sei allerdings Aufgabe der Umweltbehörde EPA. Die Verbraucherorganisation Center for Food Safety warnte vor einer „monumentalen Bedrohung“ durch „Millionen Pfund zusätzlicher Herbizide“, die ausgebracht würden. Dagegen werde die Organisation mit allen möglichen rechtlichen Schritten vorgehen.

Dow-Konkurrent Monsanto präsentiert den US-Farmern eine ähnliche Lösung. Zusammen mit BASF hat Monsanto Pflanzen so manipuliert, dass sie gegen das Uralt-Herbizid Dicamba resistent sind.