Kennzeichnung tierischer Lebensmittel: Studie warnt vor hohem Aufwand

Die Gentechnik-Kennzeichnungspflicht auf Lebensmittel tierischen Ursprungs auszuweiten, würde allein in Deutschland 270.000 Unternehmen betreffen und einen hohen Kontrollaufwand nach sich ziehen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die das bundeseigene Thünen-Institut für Marktanalyse für das Bundeslandwirtschaftsministerium erstellt hat.

Der größte Teil der betroffenen Betriebe sind tierhaltende Landwirte sowie fast 40.000 Lebensmittelgeschäfte. Fleisch- und Milchverarbeiter machen mit gut 10.000 Betrieben nur einen kleinen Teil der Betroffenen aus. Den zusätzlichen Dokumentationsaufwand schätzen die Autoren als nicht so hoch ein, da schon nach den allgemeinen lebens- und futtermittelrechtlichen Bestimmungen hohe Anforderungen zur Gewährleistung der Rückverfolgbarkeit bestünden. Lediglich „bei der Dokumentation könnten die Folgekosten auf Grund der zu vermutenden kleineren Chargengrößen hingegen größer ausfallen.“ Insgesamt sei der betriebliche Aufwand „umso geringer, je mehr Branchen auf nicht-kennzeichnungspflichtige Lebensmittel umstellen.“ Von den befragten Fachverbänden erwartete im Falle einer Kennzeichnung die Mehrzahl ein Szenario, „bei dem Lebensmitteleinzelhandel sowie die Hersteller der gentechnikkritischen Verbraucherhaltung anpassen und die gesamte Produktion und Verarbeitung auf ein nichtkennzeichnungspflichtiges System umstellen.“ Das würde die Nachfrage nach gv-freien Futtermitteln stark steigen lassen. Es „müssten ökonomische Konsequenzen in Form von Preis-, Verfügbarkeits- und Handelsverschiebungen von Futtermitteln erwartet werden.“ Weil jedoch „einige der Faktoren von großer Unsicherheit geprägt“ seien, könne im Rahmen dieses Berichts keine verlässliche Abschätzung erfolgen, schreiben die Autoren. Ihren Angaben zufolgen liegt zurzeit der Preisaufschlag für nichtkennzeichnungspflichtiges Sojaschrot aus Brasilien bei etwa 80 Euro/Tonne bei einem Preisniveau von 440 Euro/Tonne für Gentech-Sojaschrot.

Deutlich mehr Arbeit käme mit einer Kennzeichnung auf die Kontrollbehörden zu. „Da von den zugelassenen GVO-Lebensmitteln nach derzeitigem Kenntnisstand keine Gesundheitsgefahr ausgeht, ist der Anteil der GVO-Kontrollen eher gering“, heißt es in der Studie. Da sich die Verwendung von gv-Futtermitteln in tierischen Lebensmitteln analytisch nicht nachweisen lasse, „müsste die korrekte Gentechnik-Kennzeichnung bei diesen Lebensmitteln über zum Teil lange Vermarktungswege über Dokumentenprüfungen zurückverfolgt werden. Nach Einschätzung der Kontrollbehörden wäre dies mit einem hohen zusätzlichen Personal- und Sachmittelaufwand verbunden.“

CDU, CSU und SPD treten im aktuellen Koalitionsvertrag dafür ein, Produkte von Tieren zu kennzeichnen, die mit gv-Pflanzen gefüttert wurden. Eine solche Kennzeichnungspflicht kann nur auf EU-Ebene beschlossen werden und ist schon deshalb wenig wahrscheinlich. Mit dieser Studie dürfte auch die Diskussion innerhalb der Regierungsparteien beendet sein. Die Autoren selbst halten sich zurück: „Dieser Bericht verfolgt nicht die Absicht, die geplante Ausweitung der Kennzeichnungspflicht abschließend zu bewerten. Er versucht, Aufwand und Konsequenzen aufzuzeigen.“