Agrarlobby fordert ein Abschiedgeschenk von der scheidenden EU-Kommission

Die führenden Lobbyverbände der europäischen Agrarindustrie haben die noch amtierende EU-Kommision aufgefordert, acht genmanipulierten Pflanzen für den Import zuzulassen. Weiterer Verzögerungen würden das Wachstum abwürgen und zu Versorgungsproblemen führen.
Die bisherige EU-Kommissare sollen – wenn alles planmäßig verläuft – zum 1. November ihren Nachfolgern Platz machen. Die Neubesetzungen bringen es erfahrungsgemäß mit sich, dass viele Vorhaben erst einmal liegen bleiben. Das könnte auch mit den Importzulassungen für acht gentechnisch manipulierte Pflanzen geschehen, die nur noch auf das Plazet der Kommission warten. Dabei handelt es sich um vier Sorten Sojabohnen, zwei Maissorten und je eine Raps- und Baumwollsorte.
Diese Sorten werden in Nord- und Südamerika bereits angebaut, dürfen aber ohne Zulassung nicht in die EU importiert werden. Auch Lieferungen, die diese Pflanzen nur in kleinen Mengen als Verunreinigung enthalten, dürften nicht in der EU angelandet werden. Im Prinzip. In der Praxis jedoch finden kaum Kontrollen statt und werden kaum Transporte zurückgewiesen. Anders als in China, wo die Behörden über eine Million Tonnen US-Mais zurückschickten.
Die Katastrophenwarnungen der Lobbyverbände wiederholen sich regelmäßig, ebenso wie der Hinweis, dass die EU-Lebensmittelbehörde EFSA längst die Sicherheit dieser neuen Sorten bestätigt habe. Christoph Then von der Organisation Testbiotech sieht das anders. Die Risikoabschätzung der EFSA sei zu einseitig auf die Interessen der Industrie ausgerichtet: „Beispielsweise hat die Industrie zu einigen der jetzt anstehenden Anträge Fütterungsversuche vorgelegt, die so mangelhaft waren, dass die EFSA sie nicht akzeptiert hat. Aber anstatt neue Studien zu verlangen, hat die Behörde einfach grünes Licht gegeben.“ In einem Bericht geht Testbiotech genauer auf die Risikoabschätzung der acht Pflanzen ein.