Lecker: Fischproteine von genmanipulierten Hefen im Speiseeis

Industriell hergestelltes Speiseeis kann Fischproteine enthalten. Nicht erst seit gestern, sondern – in der EU – schon seit 2009. Damals genehmigte die EU-Kommission das „Inverkehrbringen des Eis-strukturierenden Proteins Typ III HPLC 12 als neuartige Lebensmittelzutat“. Natürlicherweise kommt dieses Eiweiß im Meeres-Dickkopf vor, einem im Nordwestatlantik heimischen Speisefisch. Es hilft dem Fisch, im eiskalten Atlantikwasser zu überleben.
Bei der Eisherstellung führen schon kleine Mengen des Fisch-Eiweißes dazu, dass die Eismasse feiner auskristallisiert. Sie schmeckt dadurch cremiger und intensiver. Gewonnen wird das Protein fürs Speiseeis aus genmanipulierten Hefen, deren DNA die entsprechenden Erbgutbausteine des Fisches hinzugefügt wurden. 2006 stellte der Lebensmittelkonzern Unilever bei der EU den Antrag, dieses Eis-strukturierende Protein (ISP) einsetzen zu dürfen. Es werde inzwischen „weltweit von der Firma Unilever in der Fabrikation von Speiseeis verwendet“, schreibt das Schweizer Bundesamt für Gesundheit (BGA). „Ein Produkt, das im benachbarten Ausland bereits verkauft wird, ist eine Fruchtglace von Unilever mit dem Namen ‚Solero’.“
Nach Angaben des BGA dürfen dem Eis 0,01 Prozent ISP zugefügt werden. „Dies entspricht einer Menge von bis zu 7.5 Milligramm in einer typischen Portion von 75 Gramm.“ Das Protein bleibt im fertigen Produkt. Da es dort keine Funktion mehr erfüllt, gilt es lebensmittelrechtlich als Verarbeitungshilfsstoff und muss nicht deklariert werden. Deshalb ist ungewiss, ob und welche Produkte der Unilever-Eismarke Langnese mit Hilfe von ISP hergestellt werden. Die britische Schwesterfirma Walls macht bei ihrem Solero kein Geheimnis draus.